Sein Leiden dauert bereits 12 Jahre. Körper, Geist und auch die Finanzen sind stark beeinträchtigt. Florian M. erkrankte am extrem seltenen Susac-Syndrom, einer Autoimmunerkrankung, die Gefäße im Gehirn, die Netzhaut und das Innenohr schädigt. Als es bei Florian M. ausbrach, waren nur elf andere Menschen in Österreich daran erkrankt.
"Alles, was ich früher konnte, kann ich jetzt nicht mehr", sagt der Niederösterreicher (Bezirk Hollabrunn) im Gespräch mit "Heute". Sein Gedächtnis lässt stark nach: "Wenn ich zum Supermarkt gehe und dann noch eine Erledigung habe, lande ich oft wieder im Supermarkt – ich kenne den anderen Weg einfach nicht mehr."
Auch die Sicht des 49-Jährigen ist stark beeinträchtigt: "Im äußeren Bereich sehe ich wie durch ein Milchglas." Autofahren ist ihm – beruflich zumindest – behördlich verboten.
Plötzlich war die Krankheit da, erinnert sich M. an das Jahr 2013: "Mir ist schwindlig geworden, es kam zu ersten Ausfällen der Sicht – man dachte im Spital zunächst, es ist mein Herz", sagt der vierfache Vater zu "Heute". Später erkannten Fachmediziner das Susac-Syndrom, "damals sagte man mir, dass es weltweit nur 300 Fälle gibt."
Es folgten mehrere Behandlungen: Chemotherapie, Kortison in hoher Dosis. Noch immer nimmt Florian M. zahlreiche Medikamente. "Es ist ein Leben voller Hürden – körperlich, geistig und emotional – bei dem jeder Schritt eine enorme Anstrengung bedeutet", beschreibt M.
Er fiel in ein tiefes finanzielles Loch: "Jahrelang blieb ich zuhause, ohne Job, ohne Einkommen." Dann folgte ein langes Hin und Her mit der Pensionsversicherung, schildert der Betroffene: "Die PVA nahm mich zunächst in das Rehabilitationsgeld auf, doch kurz darauf wurde mir dieses wieder aberkannt. Eine Pension wurde mir zugesagt, dann als 'elektronischer Fehler' zurückgezogen, und mein Pensionsantrag schließlich abgelehnt. Die Begründung lautete, ich sei noch nicht 50, habe keinen Berufsschutz, und für meine Krankheit gäbe es keine Rehabilitation."
Dann kam er wieder auf das AMS, es folgten eineinhalb Jahre Krankenstand. Dennoch wurde ihm gesagt, er solle eine passende Arbeit finden: "Ein Gutachter meinte, ich könnte zum Beispiel Kartenabreißer werden."
Der Patient gilt offiziell – so interpretiert er es – als arbeitsfähig. Seit einem Jahr hat er einen Hilfsjob bei einem Gärtner. Auch hier kommt es zu Problemen: "Ich habe letztens einfach vergessen, die Bewässerungspumpe abzudrehen, und mehrere Sachen auf einmal kann ich mir nicht merken." Als wir unser Gespräch führen, ist Florian M. wieder im Krankenstand.
"Heute" hat mit der PVA Kontakt aufgenommen, wieso M. nicht als krank gilt und schon als arbeitsfähig, wollen wir wissen. Die Antwort: "Es besteht kein Berufsschutz." Verständlich erklärt: Der Niederösterreicher hat eine Vielzahl von Jobs im Leben gemacht – vor der Krankheit. Er war für Leihfirmen tätig, dann im Sicherheitsdienst. Nebenbei machte er gerade eine Ausbildung zum Tischler, als die Krankheit einsetzte. Aber weil er so viele verschiedene Jobs hatte und er keine fertige Ausbildung, genießt er keinen "Berufsschutz". Also geht man davon aus, dass er – auch wenn er krank ist – irgendeinen anderen Job machen könnte.
Klingt kompliziert, wird aber mit dem Gegenbeispiel verständlicher: Wenn M. ein fertiger Tischler gewesen wäre, als die Krankheit einsetzte, dann würde man sagen, er kann seinen Job nicht mehr ausüben, deswegen ist ihm auch kein anderer zuzumuten und er bekommt Geld von der Pensionsversicherung.
Florian M. hat diese Erklärung Dutzende Male gehört, es bleibt für ihn unverständlich. Er kann kaum arbeiten und braucht finanzielle Hilfe von Verwandten, sagt er. "Es ist schlimm, aber man lebt halt."