Kreml fordert Auslieferung

Russland garantiert: "Keine Folter" für NÖ-Vater

Ein russischer Geschäftsmann in Niederösterreich soll ausgeliefert werden - Moskau bleibt vage und liefert eine bizarre Garantie.
Christoph Weichsler
28.03.2026, 16:17
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Ein Auslieferungsfall rund um einen in Niederösterreich lebenden russischen Geschäftsmann sorgt für Aufsehen. Der 49-Jährige, der seit Jahren mit seiner Familie in Österreich lebt, steht plötzlich im Fokus der Justiz in Moskau. Doch statt konkreter Vorwürfe sorgt vor allem eine Aussage aus Russland für Irritation.

Wie die "Krone" berichtet, versichert die russische Staatsanwaltschaft im Verfahren, der Mann werde im Fall einer Auslieferung "nicht gefoltert". Eine Formulierung, die im Verfahren für Kopfschütteln sorgt - und Zweifel eher verstärkt als ausräumt.

Vater, integriert, unbescholten

Der Unternehmer lebt seit 2017 durchgehend in Österreich, besitzt seit 2014 einen Aufenthaltstitel und ist laut Akten strafrechtlich unbescholten. Seine vier Kinder im Alter von fünf bis 17 Jahren gehen hier zur Schule, die Familie ist fest im Alltag verankert.

Trotzdem wurde der Russe über Interpol international zur Fahndung ausgeschrieben. Gleichzeitig ließ Moskau sein Vermögen beschlagnahmen – welche konkreten Straftaten ihm vorgeworfen werden, bleibt jedoch weiter unklar.

Drohanruf und plötzliche Eskalation

Die Verteidigung zeichnet ein anderes Bild: Demnach begann alles mit einem anonymen Drohanruf. Der Geschäftsmann soll aufgefordert worden sein, sein Vermögen zu übertragen - mutmaßlich unter Druck aus kriminellen Kreisen.

Als er sich weigerte, folgte kurz darauf das Auslieferungsersuchen beim Wiener Landesgericht für Strafsachen. Für seinen Anwalt ist das kein Zufall, sondern Teil eines gezielten Vorgehens.

Anwalt warnt vor politischem Druck

Der St. Pöltner Anwalt spricht von einem politisch motivierten Verfahren. Vergleichbare Fälle würden immer wieder auftauchen, um im Ausland lebende Russen wirtschaftlich unter Druck zu setzen. "Die Auslieferung hängt wie ein Damoklesschwert über meinem Mandanten", sagt der Jurist. Für den 49-Jährigen gehe es um Freiheit, Existenz und seine Familie.

Gericht fordert Klarheit

Das Wiener Gericht verlangte zuletzt eine Präzisierung der Vorwürfe. Doch Moskau blieb vage und wiederholte im Wesentlichen nur das Auslieferungsersuchen - ergänzt um die ungewöhnliche "Garantie", es werde keine Folter geben. Das Verfahren wurde vertagt, Russland muss nun nachbessern und konkretere Unterlagen liefern.

Faktisch festgesetzt

Für den Betroffenen hat das massive Folgen: Er bleibt auf der internationalen Fahndungsliste und kann Österreich praktisch nicht verlassen. Bei einer Ausreise droht sofort die Festnahme.

Selbst ein geplanter Familienurlaub scheiterte bereits - die Einreise in ein anderes Land wurde ihm verweigert. Was als juristisches Verfahren begann, ist längst ein brisanter Fall mit vielen offenen Fragen - und einer Zusicherung aus Moskau, die alles noch rätselhafter macht.

{title && {title} } CW, {title && {title} } 28.03.2026, 16:17
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