Klimaschutz

Lebensmittel im Wert von 1,6 Mrd. Euro landen im Müll

In Österreich werden jährlich 157.000 Tonnen Lebensmittel einfach weggeworfen. Greenpeace-Expertin: "Wir müssen Essen wieder mehr wertschätzen."

Lydia Matzka-Saboi

Wenn alle Menschen so wie wir Österreicher leben und konsumieren würden, bräuchten wir mehr als drei Planeten. Wir leben auf viel zu großem Fuß, kritisiert Lisa Panhuber, Konsum-Expertin bei Greenpeace, in "Heute For Future TV". Es werde viel zu viel produziert, gekauft und weggeworfen. "Sogar bei Lebensmitteln ist das System so aufgebaut, dass wir viel mehr produzieren als wir essen können“, sagt Panhuber.

Es werde viel zu viel produziert, gekauft und weggeworfen, kritisiert Lisa Panhuber, Konsum-Expertin bei Greenpeace.
Es werde viel zu viel produziert, gekauft und weggeworfen, kritisiert Lisa Panhuber, Konsum-Expertin bei Greenpeace.
Denise Auer / "Heute"

Essen im Wert von 400 Euro jährlich

Allein in österreichischen Privathaushalten werden jährlich 157.000 Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Das entspricht einem Wert von 1,6 Milliarden Euro. Ist unser Essen denn nichts mehr wert? "Die Lebensmittelverschwendung ist enorm und das hat viele Gründe: Zum einen hat die Industrie ein Geschäftsmodell, wo es darum geht, größer ist besser oder mehr ist besser", so Panhuber. "Viele Menschen lassen sich auch von der Werbung in die Irre führen. Zum Beispiel 1+1gratis-Aktionen verleiten uns dazu, doch noch ein Produkt mitzunehmen, das wir dann gar nicht verarbeiten können."

Laut Panhuber hätten viele Menschen auch den Bezug zu Lebensmitteln, und wie sie erzeugt werden, verloren: "Wir sind sehr weit von der Produktion entfernt, kaum jemand weiß, wie viel Arbeit und Ressourcen in der Herstellung von Lebensmitteln notwendig sind", plädiert Panhuber dafür, Lebensmittel wieder mehr wertzuschätzen. Jeder österreichische Haushalt entsorgt jährlich Lebensmittel im Wert von 400 Euro im Müll.

Lisa Panhuber, Konsum-Expertin bei Greenpeace, im Gespräch mit <em>"Heute"</em>-Redakteurin Lydia Matzka-Saboi.
Lisa Panhuber, Konsum-Expertin bei Greenpeace, im Gespräch mit "Heute"-Redakteurin Lydia Matzka-Saboi.
Denise Auer / "Heute"

Mindesthaltbarkeit kein Ablaufdatum

Jährlich werden in den österreichischen Privathaushalten Lebensmittel im Wert von 1,6 Milliarden Euro einfach in die Mülltonne geworfen. Besonders häufig landen Brot und Gebäck im Abfall. Viele Lebensmittel werden sogar noch originalverpackt im Restmüll entsorgt. Mit ein Grund ist neben zu viel an eingekauften Produkten auch, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) missverstanden beziehungsweise mit dem Ablaufdatum verwechselt werde.

"Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist für viele Menschen eine Orientierungshilfe am Produkt, aber wir sehen auch, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum viel zu früh angesetzt ist", so Panhuber. In vielen Fällen sei die Genießbarkeit auch nach Ablauf des MHD weitergegeben. Greenpeace zeigte kürzlich in einem Test auf, dass fünf von sechs Lebensmitteln 28 Tage jenseits des MHD weiterhin genießbar waren.

"Heute For Future TV" ist donnerstags auf allen Kanälen der R9-Gruppe (W24, KurierTV, NÖN N1, etc.) um 16:30 Uhr sowie samstags um 9:30 Uhr (Wh.) und auf YouTube/@heuteat zu sehen. Es moderieren Amra Durić, Lydia Matzka-Saboi und Dominik Kaltenböck.

Aktionsplan gegen Lebensmittelverschwendung

Greenpeace fordert von der Politik einen Aktionsplan gegen die Lebensmittelverschwendung mit rechtlich verbindlichen Reduktionszielen sowie Berichtspflichten für große Unternehmen.

Es brauche "klare Vorgaben von der Politik", denn auf freiwilliger Basis passiere nur sehr wenig, sagt Panhuber, außerdem brauche es auch Sanktionsmöglichkeiten, etwa wenn Unternehmen untätig bleiben.

1/78
Gehe zur Galerie
    <strong>16.06.2024: "War lange viel zu naiv" – Minister hat düstere Warnung.</strong> Wirtschaftsminister Martin Kocher sieht Österreich und Europa im Welthandelsgefüge <a data-li-document-ref="120041628" href="https://www.heute.at/s/war-lange-viel-zu-naiv-minister-hat-duestere-warnung-120041628">auf den absteigenden Ast rutschen &gt;&gt;</a>
    16.06.2024: "War lange viel zu naiv" – Minister hat düstere Warnung. Wirtschaftsminister Martin Kocher sieht Österreich und Europa im Welthandelsgefüge auf den absteigenden Ast rutschen >>
    HEUTE/Helmut Graf