Politik

Legales Kiffen in Österreich – Experte lässt aufhorchen

In Deutschland ist die Freigabe von Cannabis Top-Thema. Ein Vorbild für Österreich? Ein Suchtexperte hat dazu eine gar nicht so eindeutige Meinung.

Rene Findenig
Der Suchtexperte Philipp Kloimstein am späten Mittwochabend in der "ZIB2" bei ORF-Moderator Armin Wolf.
Der Suchtexperte Philipp Kloimstein am späten Mittwochabend in der "ZIB2" bei ORF-Moderator Armin Wolf.
Screenshot ORF

In Deutschland widmet sich die Politik derzeit den Drogen. Konkret geht es mit einem entsprechenden Gesetzesvorhaben um die Freigabe von Cannabis – ab 18 Jahren soll es keine Strafe für den Besitz von maximal 25 Gramm Cannabis geben, drei Pflanzen soll man selbst anbauen dürfen und gekauft können soll über "Cannabisclubs" mit Mitgliedsvorschriften. Dieses Vorhaben wird aber zur Belastungsprobe für die Regierung, denn die Koalition ist tief gespalten. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sprach von einem "Wendepunkt einer leider gescheiterten Cannabisdrogenpolitik".

Zudem soll es strenge Vorschriften wie Konsumationsverbote in vielen Bereichen wie in der Nähe von Schulen ebenso wie Werbeverbote und THC-Gehalts-Vorschriften geben. Positiv äußerten sich auch die Grünen, Landwirtschaftsminister Cem Özdemir sprach von einer "überfälligen Entkriminalisierung" von Eigenbedarf-Konsumenten. Die FDP jedoch, die dem Gesetz zustimmt, preschte dennoch mit scharfer Kritik vor. Der Plan sei "ein unkontrollierbares Bürokratiemonster, das die Strafverfolgungsbehörden zusätzlich belastet", so die Abgeordnete Kristine Lütke. Ähnlich reagierten CDU und CSU.

Suchtexperte nicht prinzipiell dagegen

Wäre der Plan ein Vorbild für Österreich, wo die Diskussion auch regelmäßig aufflammt, es aber auch derzeit keine politische Mehrheit dafür gibt? Der Suchtexperte Philipp Kloimstein hatte dazu am späten Mittwochabend in der "ZIB2" bei ORF-Moderator Armin Wolf eine gar nicht so eindeutige Meinung. Es sei "Schön, dass sich etwas bewegt, dass man diskutiert". Das deutsche Modell sei allerdings ein "Kompromiss eines Kompromisses vom Kompromiss", so der Experte. Und: Legalisieren heiße nicht, dass die Substanz ungefährlich werde und auch den Schwarzmarkt werde man nicht wegbekommen.

Aber, so Kloimstein: man entkriminalisiere die Menschen. 30 bis 40 Prozent hätten laut Umfragen schon einmal gekifft, "das heißt, die wären kriminell", so der Experte. Bei Umsetzungen müsse aber dem Jugendschutz eine "ganz große Bedeutung" zugemessen werden. Und da schien die deutsche Lösung dem Experten ein Dorn im Auge. In Deutschland gebe es nämlich Begrenzungen nur bis 21 Jahre, die Gehirnentwicklung dauere aber deutlich länger an. Ab 25 wäre es besser gewesen, so der Experte. Je früher jemand Substanzen konsumiere, umso mehr werde die Gehirnentwicklung und die soziale Entwicklung beeinflusst.

Auf den Umgang komme es an

Cannabis könne auch das Risiko von Psychosen erhöhen, warnte Kloimstein – das hänge mit dem THC-Gehalt zusammen, der "hochgezüchtet" worden sei. Die Hoffnung sei natürlich, dass man es unter kontrollierten Bedingungen anbieten könne, in Deutschland beobachte man nun gar eine "Schrebergartenromatik" statt einer Industrialisierung. "Bei gewissen Bevölkerungsgruppen" werde der Konsum wohl ansteigen, so der Experte, doch nicht unbedingt bei Jugendlichen, sondern eher Männern um die 40. Die wissenschaftliche Evidenz sei aber "sehr dünn", so Kloimstein. 

Werde die deutsche Umsetzung Auswirkungen auf Österreich haben? Ein Vorarlberger könne wahrscheinlich über die Grenze fahren und legal etwas konsumieren – da müsse man sich aber die genaue gesetzliche Umsetzung ansehen. Einen Massenansturm erwartete der Experte aber nicht, denn wer es wolle, würde auch illegalerweise in Österreich konsumieren. Nur Verbote würden nichts bringen, so der Experte, bei einer Umsetzung hierzulande wäre der Jugendschutz und die Klärung von Umständen wie der Fahrtüchtigkeit wichtig. Und der Umgang müsse beachtet werden: Man könne auch Alkohol trinken, ohne alkoholabhängig zu werden. 

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