Das legendäre Eldorado - gemeint ist die Lagune von Guatavita, ein smaragdgrüner Bergsee auf rund 3.100 Metern Höhe im kolumbianischen Departamento Cundinamarca. Ruhig, fast unscheinbar liegt das 20 Hektar große Gewässer heute da. Kaum vorstellbar, welchen Wahnsinn Menschen hier über Jahrhunderte angerichtet haben - getrieben von der Gier nach Gold.
Vor der Ankunft der Spanier im 16. Jahrhundert war die Region Teil des Siedlungsgebiets der Muisca. Diese indigene Hochkultur verfügte über ausgeprägte astronomische Kenntnisse, eine komplexe Religion und große handwerkliche Fertigkeit, besonders in der Goldverarbeitung. Landwirtschaft, Bergbau und Handel mit Smaragden, Coca und Kunst bildeten die Grundlage ihres Wohlstands.
Dann kam die Legende von El Dorado (dt. "der Goldbedeckte"). Schnell wurde daraus der Mythos von unermesslichen Goldschätzen. Demnach bedeckte das Volk der Muisca ihren neuen Herrscher bei der Inthronisierung mit Goldstaub. Der König wurde auf einem Floß in die Mitte der Lagune gebracht, wo er das Gold abwusch und Opfergaben aus Gold und Smaragden ins Wasser warf.
Dieses Ritual machte den See weltberühmt. Das berühmteste Zeugnis ist das "Goldfloß von Eldorado", das heute im Goldmuseum von Bogotá ausgestellt ist.
Für die spanischen Eroberer war das Grund genug, um eine jahrhundertelange Schatzsuche zu starten. Schon ab den 1540er-Jahren versuchten Konquistadoren, den See trockenzulegen. Gonzalo Jiménez de Quesada und seine Männer ließen Tunnel graben und Wasser abschöpfen. Zwar fanden sie einzelne Goldstücke, doch der Aufwand war enorm.
Weitere Versuche endeten teils tragisch. 1580 starben zahlreiche indigene Arbeiter bei einem Erdrutsch. Auch spätere Expeditionen im 17., 19. und sogar Ende des 19. Jahrhunderts scheiterten. Der britische Unternehmer Hartley Knowles ließ 1898 den gesamten See ab. Doch der Schlamm verhärtete sich, der Tunnel stürzte ein - und Eldorado verschwand erneut unter Wasser.
1965 zog Kolumbien schließlich die Reißleine. Die Lagune von Guatavita wurde zum nationalen Erbe erklärt und unter Schutz gestellt. Heute ist sie Teil eines Naturparks. Besucher erleben hier keine Goldschätze mehr, dafür einen mystischen Ort mit Blick über die Anden - besonders eindrucksvoll, wenn Nebel über dem Wasser liegt.