Der Fall einer mumifizierten Frauenleiche erschütterte die rund 3.200 Einwohner zählende Gemeinde Münchendorf im südlichen NÖ. Bürgermeisterin Doris Kirstofer bezeichnete den Vorfall als "tragisch und unfassbar".
Die Tote war eine Pensionistin aus Wien, die seit Jahren in Münchendorf einen Zweitwohnsitz hatte. In wenigen Wochen hätte sie ihren 100. Geburtstag gefeiert.
Laut derzeitigem Ermittlungsstand wird dringend der Sohn der Pensionistin gesucht. Der Appell der Polizei: "Bitte komm zurück und klär alles auf." Der Mann wird im Ausland vermutet. Ein Sozialleistungsbetrug steht im Raum, nach dem Tod der Frau soll nämlich die Pension weiter geflossen sein – die Zahlungen wurden inzwischen gestoppt.
Bei einem "Heute"-Lokalaugenschein beschrieben die Nachbarn die Frau als zurückgezogen, aber unauffällig. Man habe sie schon lange nicht mehr gesehen. Haus und Garten seien aber gepflegt gewesen, weshalb niemand Verdacht geschöpft habe. Ein Nachbar meinte zur "Bild": "Ich habe sie vor sechs Jahren zum letzten Mal gesehen. Ihr Sohn kam immer ein- bis zweimal im Monat vorbei und hat den Rasen gemäht." Besonders brisant: "Er erzählte, dass sie im Pflegeheim in Wien lebt."
Der Fall wurde durch einen Polizeieinsatz am 28. Mai ins Rollen gebracht. Die Feuerwehr sollte eine Haustür öffnen, stieß dabei jedoch auf eine außergewöhnliche Situation. Im Keller des Hauses entdeckten Einsatzkräfte die Leiche der Frau, die hinter einer Wand einbetoniert war. Aufgrund der Umstände wurden Spezialisten der Kriminalpolizei hinzugezogen.
Erste Ermittlungen ergaben, dass die Tote bereits stark verwest war. Das gesamte Haus wurde daraufhin gründlich untersucht und auf mögliche Spuren überprüft. Nach bisherigen Erkenntnissen könnte die Frau schon seit mehreren Jahren tot sein. Ermittler gehen davon aus, dass der Todeszeitpunkt möglicherweise lange zurückliegt.
Da die Pensionistin ihren Hauptwohnsitz in Wien hatte und in Münchendorf nur mit einem Nebenwohnsitz gemeldet war, wird das Verfahren von der Staatsanwaltschaft Wien geführt.
Eine Obduktion wurde angeordnet, gestaltet sich wegen des fortgeschrittenen Verwesungszustands jedoch schwierig. Ob die Frau eines natürlichen Todes starb oder Opfer eines Verbrechens wurde, ist derzeit offen – die Ermittlungen laufen in alle Richtungen.