Mit einer emotionalen Abschiedsfahrt ist am Freitag (4. Juli) eine echte Bahn-Legende endgültig aufs Abstellgleis gerollt.
Die letzte Garnitur der Baureihe 4020 absolvierte ihren letzten regulären Einsatz auf der Franz-Josefs-Bahn. Damit endet nach fast fünf Jahrzehnten ein prägendes Kapitel der österreichischen Eisenbahngeschichte.
Seit Ende der 1970er-Jahre gehörte die Baureihe 4020 zum Alltag unzähliger Pendler. Kaum ein anderes Fahrzeug prägte das Bild der Wiener S-Bahn und des Nahverkehrs in Ostösterreich so nachhaltig.
Beeindruckend: Jeder einzelne blau-weiße Triebzug legte im Laufe seiner Dienstzeit durchschnittlich rund 4,8 Millionen Kilometer zurück – das entspricht etwa 120 Erdumrundungen.
Doch nach fast 50 Jahren erfüllen sie die Anforderungen des modernen Bahnverkehrs nicht mehr: Es gibt weder Klimaanlage noch Barrierefreiheit, außerdem werden Ersatzteile für die in die Jahre gekommenen Fahrzeuge immer schwieriger und teurer. Von einst mehr als 120 Garnituren sind zuletzt nur noch gut zwei Dutzend im Einsatz gewesen.
Mit dem Abschied des 4020 beginnt gleichzeitig ein neues Kapitel. Seit Juni sind die neuen Cityjet-Doppelstockzüge in der Ostregion unterwegs und sollen den Nahverkehr moderner, komfortabler und leistungsfähiger machen.
Die neuen Züge bieten mehr Sitzplätze, barrierefreie Einstiegsbereiche sowie großzügige Mehrzweckflächen für Fahrräder, Kinderwagen und Gepäck. Dadurch soll der Fahrgastwechsel schneller und komfortabler erfolgen.
Vorerst kommen die Cityjet-Doppelstockzüge vor allem auf der stark frequentierten Nord-Süd-Achse zum Einsatz. Gleichzeitig übernehmen sie auch die Wiener Stammstrecke – jene Strecke, die über Jahrzehnte eng mit der legendären Baureihe 4020 verbunden war.
Ganz verschwinden soll der 4020 aber doch (noch) nicht. Drei junge Eisenbahn-Fans aus Wien und Salzburg (siehe Bilder-Galerie oben) haben die Initiative Bahnkultur gegründet und mit einem Crowdfunding zumindest eine Garnitur vor der Verschrottung so gut wie gerettet. Mit Stand 4. Juli wurden bereits 28.991 von 30.000 Euro gesammelt.
Ihr nächstes Ziel: den legendären Triebwagen zu restaurieren und als rollendes Stück österreichischer Bahngeschichte für künftige Generationen zu erhalten. Dafür bräuchte es noch weitere knapp 400.000 Euro. Sollte eine betriebsfähige Aufarbeitung nicht möglich sein, soll der Kult-Zug zumindest als Museumsstück erhalten bleiben.