Millionen Streams, Luxusautos und ein Image, das kaum Platz für Schwäche lässt. Capital Bra gehörte Ende der 2010er-Jahre zu den größten Stars der deutschen Rapszene. Doch während der Berliner einen Hit nach dem anderen landete, soll sich hinter den Kulissen ein regelrechter Albtraum abgespielt haben.
Jetzt kommen neue Details ans Licht.
In der "Spiegel TV"-Reihe "Im Verhör: Gangsterrap und Großfamilien" werden Ermittlungsakten aus dem Jahr 2019 beleuchtet. Damals hatte Capital Bra wegen mutmaßlicher Schutzgelderpressung Anzeige erstattet.
Der Rapper soll ins Visier von Männern aus dem Umfeld krimineller Großfamilien geraten sein. Im Raum standen laut den Ermittlungsunterlagen Forderungen zwischen 500.000 und fünf Millionen Euro.
Besonders aufschlussreich ist eine E-Mail, die Capital Bra am 7. November 2019 um 5.08 Uhr morgens an das Landeskriminalamt geschickt haben soll.
Darin schildert er seine Angst vor Männern, die angeblich weiterhin nach ihm suchen würden.
"Diese Leute sind bewaffnet und meinen ihre Drohungen ernst", heißt es in der Nachricht.
Der Musiker befürchtete demnach nicht nur um seine eigene Sicherheit, sondern auch um das Leben seiner Angehörigen.
Dabei machte er deutlich, dass die Angelegenheit für ihn längst nichts mehr mit der Rap-Szene zu tun habe. Er vermutete zwar, dass die Spannungen auch mit seiner Trennung von Bushido zusammenhängen könnten, betonte aber: "Hier geht's wirklich nicht um Rap oder Image."
Die Geschichte bekommt durch die damalige Beziehung der beiden Rapper eine besonders pikante Note.
Capital Bra hatte sich Anfang 2019 von Bushidos Label Ersguterjunge getrennt. Hintergrund war unter anderem der Konflikt seines ehemaligen Labelchefs mit Arafat Abou-Chaker.
Damals kritisierte Capital Bra Bushido öffentlich für dessen Zusammenarbeit mit der Polizei. Auch musikalisch teilte er gegen seinen früheren Förderer aus und bezeichnete ihn sinngemäß als Informanten.
Nur wenige Monate später suchte er offenbar selbst Hilfe bei den Ermittlungsbehörden. Ein Widerspruch, der auch in der "Spiegel TV"-Dokumentation thematisiert wird.
In der Sendung kommt unter anderem Kassra Zargaran zu Wort, der früher Mitglied der Hells Angels war.
Die nun veröffentlichte Nachricht überrascht selbst ihn. Aus seiner Sicht zeige die E-Mail, wie widersprüchlich die ungeschriebenen Regeln der Gangsterrap-Szene seien.
Während sich Rapper gegenseitig als Verräter beschimpfen würden, könne die Realität ganz anders aussehen. Einen persönlichen Vorwurf wolle er Capital Bra daraus allerdings nicht machen.
Wie die damaligen Ermittlungen letztlich endeten, konnte SPIEGEL TV nicht abschließend klären. Capital Bra soll für die Ermittler später nicht mehr erreichbar gewesen sein. Einen Fragenkatalog der Journalisten ließ er unbeantwortet.