Der Zweck heiligt die Mittel – zumindest schien das der Gedanke eines Mannes aus dem Bezirk Liezen zu sein, der sich kürzlich am Bezirksgericht verantworten musste. Dem Mittdreißiger wurde vorgeworfen, einen Teil der Landesstraße mit Lackspray beschmiert zu haben. Seine Botschaften waren aber keine wilden Parolen, sondern Liebeserklärungen an seine damalige Ex-Freundin, wie die "Kleine Zeitung" berichtet.
Der Richter vermutete laut Bericht hinter der Aktion allerdings keinen großen Plan, sondern eher einen einfachen Grund. "Haben Sie davor etwas getrunken?", wollte er wissen. Der Angeklagte gab offen zu: "Ja, ich war im zweistelligen Bierbereich." Seine Verteidigerin betonte, dass ihr Mandant voll geständig sei und sich zum Tatzeitpunkt in einer schweren psychischen Ausnahmesituation befand.
Mittlerweile, so die Verteidigerin weiter, habe sich der Mann wieder gefangen. Sie bat, von einer unbedingten Haftstrafe abzusehen, obwohl es wegen Vorstrafen durchaus eng hätte werden können. "Er hätte auch nichts gegen einen Bewährungshelfer", schlug sie vor.
Wie das "Kunstwerk" auf der Straße wieder verschwunden ist, interessierte den Richter noch. "Das hat der Schwiegerpapa gemacht", erklärte der Angeklagte. – "Sie haben Schwiegerpapa gesagt. Sind Sie wieder zusammen?" – "Ja, sie hat mir noch eine Chance gegeben." In Sachen Liebe also ein Happy End.
Aber wie schaut es im Gerichtssaal aus? Auch hier blieb es halbwegs glimpflich: Maierhofer verzichtete darauf, den Mann einzusperren, und verurteilte ihn zu drei Monaten bedingt auf drei Jahre. "Innerhalb dieser Zeit habe ich auch Bewährungshilfe angeordnet", erklärte der Richter.
"Ein super Urteil", fasste die Verteidigerin zusammen und riet ihrem Mandanten, das Urteil gleich zu akzeptieren. Der Mann verzichtete noch im Gerichtssaal auf weitere Rechtsmittel und wurde mit dem Rat entlassen, künftig "keinen Schas mehr" zu machen.