Frauen betäubt und gefilmt

"Eine Ohrfeige kassiert" – Patientin (19) schlug Arzt

Gegen einen Grazer Mediziner laufen schwere Ermittlungen. Eine Ex-Patientin spricht nun über Vertrauen, Machtgefälle und eine anzügliche Begegnung.
André Wilding
26.09.2026, 14:00
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Die schweren Vorwürfe gegen einen Grazer Internisten lassen auch eine frühere Patientin nicht los. Die Steirerin war über Jahre bei dem heute 65-jährigen Mediziner in Behandlung und schildert nun ihre persönlichen Erfahrungen mit ihm.

"Ein Wahnsinn, dass man davon schon vor sechs Jahren gewusst hat. Jeder Mensch, der betroffen ist, ist sein Leben lang traumatisiert", sagt die ehemalige Patientin im Interview mit der "Kleinen Zeitung".

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Die Frau beschäftigt dabei auch die Frage, ob sie selbst früher hätte reagieren sollen. "Wenn ich davon lese, überfällt mich ein schlechtes Gewissen. Hätte ich selbst meinen Vorfall melden können? Melden müssen? Hätte es vielleicht sogar etwas verhindert?", stellt sie während des Gesprächs Fragen in den Raum.

Arzt sitzt in Untersuchungshaft

Der Mediziner befindet sich seit Juli in Zürich in Untersuchungshaft. Gegen den 65-Jährigen wird unter anderem ein "Strafverfahren wegen des Verdachts auf Schändung, Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegeräte" in seiner Zürcher Praxis geführt.

Im Raum steht der Verdacht, dass Patienten unter einem Vorwand aufgefordert worden sein sollen, sich auszuziehen. Manche soll der Arzt betäubt und anschließend auf einem Gynäkologenstuhl missbraucht haben. Versteckte Kameras sollen das Geschehen aufgezeichnet haben.

Bereits 2020 hatte es in der Schweiz eine erste Strafanzeige gegeben. Parallel zu den Ermittlungen in der Schweiz laufen auch bei der Grazer Staatsanwaltschaft Ermittlungen zur Praxis des Internisten in Graz. Laut Ermittlern soll es knapp 30 Betroffene geben.

"Er war auch mein Arzt"

Die Steirerin kannte den Mediziner bereits seit ihrer Jugend. "Er war auch mein Arzt. Viele Jahre lang, noch bis vor einigen Jahren. Und er war ein guter Arzt, aber ...", erzäht die Steirerin der "Kleinen Zeitung"

Damals habe sie mit einer chronischen Erkrankung zu kämpfen gehabt. "Ich war damals in den 90ern ja erst 19 Jahre alt. Ich hatte zuvor keinen Mediziner, der mir mit meiner chronischen Erkrankung wirklich weiterhelfen konnte", erinnert sie sich in der Tageszeitung.

Die erfolgreiche Behandlung habe ihr Verhältnis zum Arzt geprägt. Durch den Behandlungserfolg sei ein "besonderes Vertrauensverhältnis entstanden, es war aber gleichzeitig ein Machtgefälle da. Umso mehr, wenn man erst 19 Jahre alt ist. Er war ja ein sehr renommierter Arzt, überall angesehen", wird die Steirerin in der "Kleinen Zeitung" zitiert.

Ohrfeige nach privatem Treffen

Dieses Vertrauen führte laut der Frau auch zu einem privaten Treffen. Dort soll sich der Arzt ihr gegenüber anzüglich verhalten haben.

"Er war mir gegenüber sehr anzüglich, machte sehr eindeutige Anspielungen. Dafür hat er eine Ohrfeige von mir kassiert. Für mich war die Sache damit erledigt. Es war eine andere Zeit. 19-Jährige würden heute garantiert anders reagieren, den Vorfall melden...", sagt sie zur "Kleinen Zeitung".

Die frühere Patientin ist rückblickend erleichtert, dass es bei ihr nicht weiter ging. "Mein Glück: Ich hatte damals für meine Untersuchungen bei ihm kein Geld für seine Privatordination. Ich wurde immer im Spital behandelt, war nie allein mit ihm", erinnert sie sich.

Ex-Patientin macht sich Vorwürfe

Dennoch beschäftigt sie heute, dass sie den Arzt aufgrund ihrer positiven medizinischen Erfahrungen weiterempfohlen hatte.

"Weil er ja ein guter Arzt war, habe ich ihn natürlich weiterempfohlen. Ein Bekannter, der vom Fall gehört hat, ist verunsichert, ob er nicht auch ein Betroffener ist", sagt die Frau zur "Kleinen Zeitung".

Der 65-jährige Mediziner befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

wil,26.09.2026, 14:00