Die Grippesaison hat begonnen, doch in zahlreichen Wiener Ordinationen sorgt die Impfstoffversorgung für Ärger. Wegen internationaler Produktionsprobleme verzögert sich heuer die Auslieferung des Influenza-Impfstoffs für 18- bis 60-Jährige.
Doch nicht nur die fehlenden Impfstoffe, sondern vor allem die mangelnde Kommunikation und die Lieferlogistik bringen die Ärzteschaft auf die Palme. Eine Betroffene ist Naghme Kamaleyan-Schmied (48), Vizepräsidentin und Kurienobfrau der niedergelassenen Ärzte der Wiener Ärztekammer.
Die Allgemeinmedizinerin betreibt in einer PVE in Wien-Floridsdorf eine Ordination. Gegenüber "Heute" schildert sie, wie aus einer ganz normalen Impfstoffbestellung eine wochenlange Odyssee wurde. Bereits am 2. September bestellte Kamaleyan-Schmied über das E-Bestellsystem der Bundesbeschaffung GmbH (BBG) den benötigten Grippeimpfstoff. Kurz darauf erhielt sie eine SMS mit einem konkreten Liefertermin: Am 18. September sollte die Bestellung eintreffen.
Tatsächlich wurde an diesem Tag auch ein Paket in ihrer Ordination abgegeben. Als die Ärztin telefonisch bei ihren Mitarbeitern nachfragte, bestätigten diese den Eingang der Lieferung. Doch die Freude währte nur kurz: Im Paket befanden sich lediglich 400 Spritzen und Nadeln – vom Impfstoff fehlte jede Spur (beides wird üblicherweise vom Logistik-Dienstleiter gemeinsam geliefert, Anm.).
Zunächst vermutete die Medizinerin, dass möglicherweise ein zweites Paket zugestellt worden war. Sie bat ihre Mitarbeiter, noch einmal nachzusehen. Doch die Suche blieb erfolglos. "Der Impfstoff ist einfach nicht geliefert worden", ärgert sich Kamaleyan-Schmied (es handelt sich dabei ausschließlich um den Impfstoff für 18- bis 60-Jährige, Anm.).
Besonders ärgerlich: Obwohl der angekündigte Liefertermin längst verstrichen war, gab es keine verlässlichen Informationen darüber, wann die Impfstoffe tatsächlich eintreffen würden. "Es war ein Chaos. Viele Ärzte haben dann gleichzeitig angerufen, um rauszufinden, wann der Impfstoff jetzt genau geliefert wird", schildert die Ärztin.
Sie versuchte es mit weiteren Bestellungen, unter anderem am 14. und 21. Oktober. Nun soll der Grippeimpfstoff endlich am 11. November geliefert werden – mehr als zwei Monate nach ihrer ersten Bestellung.
Für Kamaleyan-Schmied gleicht die Impfstoffbestellung mittlerweile einer Lotterie. Ärzte müssen sich in das elektronische Bestellsystem einloggen und können nur jene Impfstoffe bestellen, die gerade verfügbar sind. Zudem sind die Bestellmengen begrenzt. Als Grundlage dient laut der Medizinerin die Zahl der im Vorjahr verabreichten Impfungen, von der 90 Prozent herangezogen werden.
Immerhin musste die Floridsdorfer Ärztin bislang keine vereinbarten Impftermine absagen. "Ich habe meine Lektion aus den vergangenen Jahren gelernt und keine Termine mehr gemacht", erzählt sie. Für die Patienten ist die Situation dennoch frustrierend. "Die Patienten sind sauer – zurecht", sagt Kamaleyan-Schmied.
Vor allem ärgert sie, dass die Ärzte die Probleme gegenüber ihren Patienten erklären müssen, obwohl sie selbst kaum Informationen erhalten. "Es ist insgesamt ein Chaos. Es kann ja was schieflaufen, aber wir Ärzte müssen das dann ausbaden und uns vor den Patienten rechtfertigen."
Im Büro von Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) sieht man die Situation allerdings anders. Auf "Heute"-Anfrage weist ein Sprecher den Vorwurf mangelnder Kommunikation zurück.
"Die Darstellung eines 'Kommunikationschaos' überrascht uns. Die Lieferverzögerungen wurden von uns aktiv und transparent kommuniziert – auch intern in den regelmäßigen Abstimmungen mit der Ärztekammer." Der Austausch habe unter anderem mit Johannes Steinhart, Präsident der Österreichischen und der Wiener Ärztekammer, stattgefunden.
Das Ministerium sieht die Standesvertretung in der Pflicht, ihre Mitglieder entsprechend zu informieren. "Diese Informationen an ihre Mitglieder, also die Ärztinnen und Ärzte, weiterzugeben, gehört dann zu den zentralen Aufgaben der Ärztekammer. Das können, wollen und dürfen wir ihr auch nicht abnehmen", heißt es aus dem Büro der Staatssekretärin.
Die Versorgung sei nun wieder angelaufen: "Unabhängig davon ist für uns jetzt entscheidend: Die Auslieferung läuft. Die bestehenden Bestellungen der Ärztinnen und Ärzte werden so rasch wie möglich nachgeholt und die Impfstoffe schnellstmöglich ausgeliefert, damit sich die Menschen in Österreich impfen lassen können."