Spar-Trick gegen Bestell-Lust

Lieferdienst wirbt mit Essen, das nie ankommt

Essen aussuchen, bestellen und auf den Lieferanten warten - nur kommt der nie. Eine neue App soll helfen, spontane Bestell-Impulse zu bremsen.
Nick Wolfinger
23.09.2026, 20:43
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Pizza, Burger oder doch lieber Sushi? Das Essen ist ausgesucht, die Bestellung abgeschickt und schon scheint sich der Lieferant auf den Weg zu machen. Nur an der Tür wird am Ende niemand klingeln. Denn das bestellte Essen existiert gar nicht.

Was zunächst ziemlich kurios klingt, entwickelte sich in Südkorea zum Internet-Trend. Auf speziellen Seiten können Nutzer eine komplette Essensbestellung simulieren. Sie wählen Gerichte aus, bestellen und verfolgen anschließend sogar eine angebliche Lieferung. Bezahlen müssen sie keinen Cent - und Essen bekommen sie natürlich auch keines.

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Fake-Bestellung soll echte verhindern

Inzwischen greift die internationale Seite "FoodNeverComes", übersetzt etwa "Das Essen kommt nie", das Prinzip auf. Statt tatsächlich beim Lieferdienst zu bestellen, spielen Nutzer den Vorgang nur durch.

Das Ziel dahinter: Spontane Bestellungen sollen verhindert und damit Geld gespart werden. Laut eigenen Angaben nutzten innerhalb von zwei Monaten bereits mehr als 200.000 Menschen die Seite.

Bestellung endet bei Fake-Kreditkarte

"FoodNeverComes" bietet Speisen aus 22 verschiedenen Länderküchen an. Nutzer suchen sich ihr Wunschessen aus, bezahlen mit einer erfundenen Kreditkarte und können anschließend beobachten, wie ihre vermeintliche Bestellung näher kommt.

Das Konzept wird als "Dopamine Loop" bezeichnet. Die Idee dahinter: Nicht erst das Essen selbst kann befriedigend wirken. Schon das Aussuchen, Entscheiden und die Vorfreude auf eine Belohnung können einen Reiz auslösen. Dabei spielt auch der Botenstoff Dopamin eine Rolle.

Wer danach tatsächlich noch Hunger hat, muss übrigens nicht leer ausgehen: Die Seite bietet zu den Gerichten auch passende Rezepte zum Selberkochen an.

Experte: Hunger könnte sogar größer werden

Ganz abwegig ist die Idee laut Wirtschaftspsychologe Georg Felser nicht. Die Simulation könnte einen spontanen Bestellimpuls verzögern und damit Zeit schaffen, in der das Verlangen nach Essen wieder nachlässt.

Allerdings gibt es einen möglichen Haken: Wer sich ausführlich Bilder von Pizza, Burgern und Co. ansieht und sein Wunschgericht samt Größe, Schärfegrad und Extras zusammenstellt, könnte danach erst recht hungrig sein.

Ob die Fake-Bestellungen langfristig tatsächlich Geld sparen, echte Bestellungen reduzieren oder sogar Auswirkungen aufs Gewicht haben, ist bisher nicht wissenschaftlich untersucht. Sicher ist nur: Der vermeintliche Lieferant wird garantiert nicht klingeln.

NW,23.09.2026, 20:43
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