LVT brach Observation nach Terrortreffen in Wien ab

Warum ließ der Verfassungschutz einen bekannten Dschihadisten unbeobachtet? Am Montag wurden neue schockierende Details zum Vorgehen des LVT bekannt.

Der Attentäter des Terroranschlags am vergangenen Montagabend war den österreichischen Behörden bereits länger einschlägig bekannt. Er war im April 2019 nach dem Terror-Paragrafen verurteilt worden, hatte sich in Wien mit anderen Dschihadisten aus Deutschland und der Schweiz getroffen. Nach einem Tipp deutscher Behörden hatte der Verfassungsschutz den Wiener Terroristen und seine Besucher rund um ihre Zusammenkunft Mitte Juli tagelang beobachtet – und die Observationen danach abgebrochen. 

Nach neuen Informationen der APA sollen die Beamten des LVT das Terrortreffen dabei äußerst detailliert mitverfolgt haben. So hatte der 20-Jährige gemeinsam mit Wiener Bekannten die vier mutmaßlichen Dschihadisten aus Deutschland und der Schweiz persönlich am Flughafen Schwechat abgeholt und war dann mit ihnen durch die Stadt getourt. Man ging gemeinsam Essen, besuchte Moscheen – und vermutlich einschlägige Orte und Personen der hiesigen Islamistenszene – und auch andere, kommerzielle Sehenswürdigkeiten. Übernachten durften die Besucher in den Wohnungen der Wiener.

Reise in die Slowakei

Nach der Abreise der Besucher stellten die Verfassungsschützer ihre Beobachtungen des späteren Terroristen wieder ein. Ausgerechnet als der 20-Jährige in die benachbarte Slowakei reiste, um sich – wie man inzwischen weiß – dort Munition für sein Sturmgewehr, eine serbische Zastava M70, zu kaufen, wurden die Observationen ausgesetzt. Warum, das ist nach wie vor unklar. 

Hätte der Anschlag verhindert werden können, wenn der bekannte IS-Anhänger engmaschiger kontrolliert worden wäre? Diese Ungewissheit quält auch eine Woche nach der Terrornacht noch die Opfer, ihre Angehörigen und auch viele Wiener. Die Regierung hat inzwischen hart durchgegriffen: Zwei radikale Moscheen wurden geschlossen, der Wiener LVT-Chef Erich Zwettler muss seinen Posten räumen und bei Razzien in mehreren Bundesländern gelang der Polizei Montagfrüh ein harter Schlag gegen die Muslimbruderschaft. 

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