Nach Aufforderung von Lehrer

Mädchen wollten Kopftuch in Klasse nicht ablegen

Die erste Woche des Kopftuchverbots verlief weitgehend ruhig. In Wien gab es aber erste Konflikte, nun könnten Fälle bei der Bildungsdirektion landen.
André Wilding
12.09.2026, 14:00
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Eine Woche nach dem Start des Kopftuchverbots an Schulen zeichnet sich ein erstes Bild ab. Während es in Niederösterreich und im Burgenland nur wenige gemeldete Verstöße gab, mussten sich Schulen in Wien bereits mit einzelnen Konflikten beschäftigen.

Der oberste Lehrervertreter Paul Kimberger (FCG) beschreibt den Start gegenüber der "Kronen Zeitung" als "geordnet und mit großem Respekt". Auch bei der Bildungsdirektion gingen bisher nur "ein paar Anrufe" von Schulleitungen ein. Dabei ging es vor allem um rechtliche und inhaltliche Fragen.

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In Wien gibt es erste Problemfälle

Anders sieht es bei einzelnen Wiener Schulen aus. Eine Blitzumfrage unter den 550 Volks-, Mittel- und Sonderschulen habe laut Bericht "flächendeckend" einzelne Problemfälle ergeben, erklärte Thomas Krebs (FCG), Vizevorsitzender im Zentralausschuss der Wiener Landeslehrer.

Konflikte gebe es bereits in Volksschulen, häufiger würden diese aber in der Sekundarstufe auftreten.

Am Dienstag und Mittwoch wurden laut Krebs zahlreiche Mädchen gemeinsam mit ihren Eltern zu Gesprächen mit der jeweiligen Direktion gebeten. Grund dafür war, dass die Schülerinnen ihr Kopftuch trotz Aufforderung einer Lehrkraft nicht ablegen wollten.

Etwa die Hälfte dieser Fälle konnte nach den bisherigen Rückmeldungen direkt geklärt werden. Teilweise hätten Eltern ihre Töchter aus Unwissenheit mit Kopftuch in die Schule geschickt, berichtet die "Kronen Zeitung".

Bildungsdirektion übernimmt Härtefälle

Bleibt ein Konflikt trotz Gesprächen mit Lehrern und Schulleitung bestehen, wird die Bildungsdirektion eingeschaltet. Dort rechnet man schon bald mit den ersten Fällen.

"Ab nächster Woche wird es schon einzelne Fälle geben, die dann schon bei uns landen", heißt es aus der Bildungsdirektion Wien gegenüber der "Krone". Erste Zahlen sollen Mitte der Woche vorliegen.

Nicht alle halten sich an das Kopftuchverbot für Mädchen bis 14 an den Schulen - es gibt auch Probleme, vor allem in Wien.
Denise Auer

Integrationsministerin Claudia Bauer bewertet den bisherigen Verlauf positiv. "Nach den bisherigen Rückmeldungen ist das Kinderkopftuchverbot gut gestartet", wird Bauer in der Tageszeitung zitiert. Für eine endgültige Einschätzung sei es allerdings "noch zu früh".

Bei weiteren Verstößen können Eltern mit Verwaltungsstrafen von bis zu 800 Euro belangt werden. Diese können auch mehrfach verhängt werden. Auch ein längeres Fernbleiben vom Unterricht kann Konsequenzen haben.

Abmeldung während Schuljahr nicht möglich

Ein kurzfristiger Wechsel in den häuslichen Unterricht ist ebenfalls nicht möglich. Bildungsdirektorin Elisabeth Fuchs stellt in der "Krone" klar: "Eine Abmeldung mitten im Schuljahr ist nicht möglich".

Die entsprechende Abmeldung hätte spätestens eine Woche nach dem Ende des vergangenen Unterrichtsjahres erfolgen müssen. Auch danach gelten Vorgaben: Der Unterricht zu Hause muss mindestens gleichwertig sein, zudem sind jährlich ein Reflexionsgespräch und externe Prüfungen vorgesehen.

Wer nicht zur Prüfung erscheint, sie verweigert oder nicht besteht, muss wieder eine öffentliche Schule besuchen. Zusätzlich folgt ein Verwaltungsstrafverfahren. Kinder in Deutschförderklassen oder Deutschförderkursen können überhaupt nicht für häuslichen Unterricht abgemeldet werden, heißt es in dem Bericht.

Eine verstärkte Abmeldung wegen des Kopftuchverbots wurde bisher nicht festgestellt. Bildungsminister Christoph Wiederkehr sagt gegenüber der "Krone": "Da sehen wir aktuell keinen Trend nach oben." Die Zahl der zu Hause unterrichteten Kinder gehe seit Corona "wieder sehr stark" zurück.

Wenige Meldungen in NÖ und Burgenland

Auch außerhalb Wiens blieb die erste Woche vergleichsweise ruhig. In Niederösterreich wurden zehn Verstöße gemeldet, im Burgenland waren es zwei. Die beiden Fälle im Burgenland konnten laut dem Büro von Landesrätin Daniela Winkler direkt an den Schulen geklärt werden. Abmeldungen gab es dort keine.

Die niederösterreichische Bildungslandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister pocht in der "Krone" auf die Einhaltung der Vorgaben: "Für mich ist klar: Regeln, die in Österreich gelten, müssen ausnahmslos eingehalten werden. Wer sich bewusst darüber hinwegsetzt, muss mit den gesetzlich vorgesehenen Konsequenzen rechnen. Integration bedeutet auch, unsere Rechtsordnung und unsere gemeinsamen Regeln zu respektieren".

Nach der weitgehend ruhigen ersten Woche dürften nun vor allem jene Fälle entscheidend werden, die nicht direkt an den Schulen gelöst werden können und an die Bildungsdirektion weitergegeben werden.

wil,12.09.2026, 14:00