Drei Monate voller Ungewissheit und Trauer für Martin S. (48) hinter sich: Am 1. Mai verstarb seine Mutter Lydia H. (72) überraschend auf Pilgerreise in Bosnien – "Heute" berichtete. Als sei der Verlust einer Mutter nicht schon schmerzhaft genug, brach über den Niederösterreicher auch noch ein Behörden-Chaos herein.
Die Rückholung der sterblichen Überreste wurde für den trauernden Sohn zum Härtetest. Statt sich auf die Hilfe der Versicherung seiner Mutter verlassen zu können, musste Martin S. die Sache mit seinen Freunden selbst in die Hand nehmen.
Der verzweifelte Sohn wusste sich kaum noch zu helfen – bis schließlich Ankica D., die Mutter seines Arbeitskollegen Igor D., die rettende Idee hatte. Die gebürtige Bosnierin griff kurzerhand zum Hörer und versuchte mit Feingefühl auf Bosnisch helfen, die Sache zu klären. Sie rief direkt beim Bestattungsinstitut in Mostar an und brachte tatsächlich Bewegung in die festgefahrene Situation.
"Die waren richtig froh, dass sich jemand wegen meiner Mutter gemeldet hat", erzählt S. im Gespräch mit "Heute". Vom Bestattungsunternehmen erfuhr Ankica D., dass sich die zuständige Versicherung bislang nur sehr sporadisch gemeldet hatte. "Keiner hat richtig was gemacht."
Immer wieder seien falsche Dokumente übermittelt worden. Für die Familie zog sich der ohnehin schmerzhafte Abschied dadurch immer weiter in die Länge, bis sich Martin S. entschied, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.
Der Niederösterreicher übernahm nach dem Telefonat die gesamte Korrespondenz mit dem Bestattungsinstitut selbst und wartete nicht mehr auf Hilfe der Versicherung. "Ich musste eine notariell beglaubigte Vollmacht schicken, damit die Bestattung die sterblichen Überreste nach Zagreb und dann nach Österreich bringen und dort die Sterbeurkunde vom Amt abholen darf."
Die Vollmacht schickte er sofort los und tatsächlich: Kurz darauf erreichte den Niederösterreicher endlich die erlösende Nachricht. "Es gibt einen Kremierungstermin in Zagreb, danach soll die Urne nach Wiener Neustadt kommen." Einen Tag später bestätigte auch die Versicherung den Ablauf.
Am 23. Juli kam endlich der Moment, auf den Martin S. so lange gewartet hatte. "Da meldete sich die Bestattung Wiener Neustadt und sagte, dass meine Mama auch wirklich da war", erzählt der 48-Jährige erleichtert.
Nach Wochen der Ungewissheit konnte seine Mutter nach Hause gebracht werden. Sie wurde nun am Waldfriedhof beigesetzt. Für Martin S. steht fest: "Alles in allem muss ich sagen: Wenn ich keinen bosnischen Arbeitskollegen hätte, wäre meine Mama noch nicht da."