Beim Bundesheer hat man immer öfter mit Spionage zu kämpfen. Das bestätigen Sicherheitskreise gegenüber der "Presse". Demnach soll es im Vorjahr eine zweistellige Anzahl von Vorfällen gegeben haben, was einen klaren Anstieg bedeutet.
Auch im ersten Quartal 2026 sieht es ähnlich aus. Ein besonders bedenklicher Vorfall hat sich im Vorjahr in einer westösterreichischen Kaserne ereignet. Dort spazierte ein Mann unbefugt auf dem Gelände der militärischen Einrichtung.
Dort machte der Unbefugte Fotos. Als er von Soldaten erwischt wurde, gab der Mann an, ein weißrussischer Tourist zu sein. Er würde lediglich durch Europa reisen und die Gegend erkunden. Entsprechende Ermittlungen brachten jedoch ein anderes Bild zutage.
Demnach soll der Mann schon in anderen europäischen Ländern mit ähnlichem Verhalten aufgefallen sein. Konsequenzen gab es für den "Touristen" jedoch nicht. Er tauchte unter und war für die heimischen Behörden nicht mehr greifbar.
Aber nicht nur der vermeintliche Tourist bereitet den österreichischen Sicherheitskreisen Kopfzerbrechen. Auch verdächtige Anrufe von Personen mit falschen Identitäten und Drohnenflüge über Einrichtungen des Bundesheeres habe es gegeben.
Gegenüber der "Presse" erklärte man sich den Anstieg der Vorfälle mit den sicherheitspolitischen Entwicklungen zurück und der Sensibilisierung der heimischen Soldaten. Sie seien angewiesen, verdächtige Vorkommnisse stärker zu melden.
Hier gerieten aber nicht nur Kasernen in den Fokus, auch wichtige Transitrouten oder Liegenschaften, die einen Bezug zur EU-Battlegroup haben, wurden ausgespäht. Ziel sei es, "mögliche Schwachstellen" zu finden, um Sabotageakte durchführen zu können.
Ähnliches lasse sich auch in Deutschland beobachten. Für ausländische Dienste – allen voran Russland – sei das Sammeln solcher Informationen essenziell, hieß es weiter. Seitens des Bundesheeres reagiere man mit entsprechenden Informationskampagnen für die Soldaten.
Nicht nur ausländische Spione bieten ein Gefahrenpotenzial, auch bei Grundwehrdienern mit Migrationshintergrund oder Österreichern, die zum Islam konvertiert sind, schaue man genauer hin. Sie würden auch eine mögliche Radikalisierung geprüft werden. Hier habe es in der Vergangenheit bereits Verdachtsmomente gegeben.
Helfen könnte eine Reform des Militärbefugnisgesetzes. So könnten die heimischen Militärdienste mehr Befugnisse erhalten, um im Cyber-Bereich besser gegen Angreifer vorgehen zu können. Der entsprechende Gesetzesentwurf befinde sich bereits seit dem Vorjahr in der regierungsinternen Koordinierung, Fortschritte habe es seither allerdings nicht gegeben.