Was passierte in einer Wiener Anwaltskanzlei am 22. Juni? Diese Frage soll nun am Wiener Landesgericht geklärt werden. Fakt ist jedenfalls, dass die Polizei dort einen jungen Mann befreien musste. Dieser wurde mit Klebeband an einen Sessel gefesselt und hatte eine Sturmhaube auf.
Doch was machte der junge Mann überhaupt in der Kanzlei? Laut Anklage seien dafür der 18-jährige Sohn des Kanzleiinhabers und dessen bester Freund (18) verantwortlich. Sie sollen das Opfer unter dem Vorwand ihm bei der Wohnungssuche helfen zu wollen dorthin gelockt haben, berichtet die "Krone". Eigentlich hätte das Duo es aber auf das Geld des jungen Mannes abgesehen gehabt.
Dafür seien die beiden auch bereit gewesen sehr weit zu gehen. So sollen der Anwaltssohn und sein Freund das Opfer abwechselnd zweimal bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben. Danach hätten sie ihn gefesselt und versucht das Handy des jungen Mannes per Gesichtserkennung zu entsperren, um an dessen Konto zu gelangen. Aus Angst habe sich das Opfer dabei weiterhin bewusstlos gestellt.
Der Versuch, das Handy zu entsperren, schlug jedoch fehl, weswegen der Freund des Anwaltssohns – ein Ukrainer – einen neuen Plan schmiedete. Er wollte es so aussehen lassen, als ob ihn das Opfer angegriffen hätte. Dafür habe er sich selbst in den Arm geschnitten und dem jungen Mann das Messer dann in die Hand gedrückt. Auch eine Sturmhaube hätten sie ihm aufgesetzt.
In der Verhandlung, in der sich das Duo nun unter anderem wegen schwerer Nötigung und Freiheitsentziehung verantworten muss, übernahm der Ukrainer für diesen Plan die Verantwortung. Er habe Angst gehabt, dass jemand die Polizei rufe und er dann ins Gefängnis komme.
Gefesselt hätte er das Opfer allerdings aus Angst, da der junge Mann ihn wirklich angegriffen hätte. Er sei allerdings stärker gewesen und hätte eine "Halsklammer" gegen sein Opfer angewendet. Der Ukrainer rechtfertigte sein Handeln mit "Selbstschutz".
Der Sohn des Anwalts will mit dem Gewaltausbruch nichts zu tun gehabt haben. Er habe einen Kaffee geholt, aus Langeweile den Boden der Kanzlei gewischt und sei lediglich ein stiller Beobachter gewesen.
Sein Vater, der die beiden Jugendlichen vertritt, sagte, dass sein Sohn den Ukrainer sogar dazu aufgefordert habe, "mit dem Blödsinn" aufzuhören. Zudem hätten es beide ja gar nicht notwendig, einem Dritten Geld abzuknöpfen. Der Prozess wurde schlussendlich für weitere Zeugen vertagt.