Die Aufregung um Gerold Rudle (63) hat nun erste konkrete Folgen. Nachdem der Kabarettist am Donnerstag in Radio Niederösterreich mit Aussagen über seinen Kollegen Günther "Gunkl" Paal für heftige Kritik gesorgt hatte, zieht jetzt die Döblinger Buchhandlung Konsequenzen.
Dort hätte Rudle am Dienstag, dem 22. September, aus seinem ersten Roman "Kotzbrocken" lesen sollen. Die Veranstaltung wurde nun abgesagt.
Die Buchhandlung begründet die Entscheidung unmissverständlich: "Nach den gestrigen Aussagen von Gerold Rudle im ORF haben wir uns entschlossen, die Lesung am 22.09. abzusagen."
Weiter heißt es: "Die Döblinger Buchhandlung bietet keine Bühne für die Verharmlosung von Missbrauch. Wir entschuldigen uns bei allen, die teilnehmen wollten." Damit hat Rudles Auftritt im ORF für ihn nur einen Tag später erste berufliche Konsequenzen.
Rudle hatte am Donnerstag in Radio Niederösterreich eigentlich über seinen neuen Roman gesprochen. Ohne danach gefragt worden zu sein, kam er dabei auf den Fall seines langjährigen Kollegen Günther Paal alias Gunkl zu sprechen.
Rudle bezeichnete Paal dabei als "reflektierten, sehr gscheiten und liebenswerten Menschen". Gleichzeitig stellte er klar, dass dessen Taten "absolut unverzeihlich" seien. Für Irritation sorgte vor allem Rudles Aussage, dass "wir da alle weniger verurteilen sollten". Zudem meinte er: "In uns allen schlummert offensichtlich irgendwo ein Monster."
Die Aussagen lösten massive Kritik aus. Vor allem der mehrmals verwendete Begriff "liebenswert" im Zusammenhang mit Paal sorgte bei zahlreichen Zuhörern für Unverständnis.
Am Freitag reagierte Rudle schließlich selbst auf die Aufregung und entschuldigte sich öffentlich. Er habe sich spontan zu dem Fall geäußert, weil er Paal als Kollegen schon sehr lange kenne. Seine Wortwahl sei jedoch "unangemessen" gewesen und habe als Relativierung verstanden werden können. "Das bedaure ich zutiefst", erklärte Rudle auf Instagram.
Sexueller Missbrauch von Kindern sei durch nichts zu relativieren oder zu entschuldigen. Der Opferschutz müsse "immer im Vordergrund stehen". Rudle weiter: "Ich weiß, dass dies die Wirkung meiner Worte nicht ungeschehen macht. Für meine missverständlichen Aussagen übernehme ich die Verantwortung und entschuldige mich aufrichtig."
Gegen Paal liegt eine noch nicht rechtskräftige Anklage vor. Ihm werden eine geschlechtliche Handlung an einer unmündigen Person sowie das Verschaffen und der Besitz von sexualbezogenem Kindesmissbrauchsmaterial vorgeworfen. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Rudles Entschuldigung konnte zumindest eine Konsequenz vorerst nicht mehr verhindern: In der Döblinger Buchhandlung bleibt die für Dienstag geplante Bühne leer.