Lederer warnt vor Sparkurs

"Wenn ORF nicht mehr mitspielt, sind alle Verlierer"

Beim ORF steigt der finanzielle Druck. Stiftungsratschef Lederer sieht Sparzwang – und fordert gleichzeitig Investitionen in die digitale Zukunft.
Newsdesk Heute
09.09.2026, 09:15
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Der ORF steht finanziell unter Druck, doch Stiftungsratschef Heinz Lederer will weder Sender noch Landesstudios dem Sparstift opfern. Stattdessen fordert er Änderungen bei Strukturen, Führungsposten und hohen Gehältern – und gleichzeitig mehr Spielraum für den ORF im Netz.

Nach der Streichung von 93 Millionen Euro aus der Vorsteuerkompensation lehnt Lederer eine Erhöhung des ORF-Beitrags ab. "Es gibt jetzt in diesem Stiftungsrat keine Mehrheit für eine Beitragserhöhung. Auch ich bin dagegen [...] Wir lassen uns da auch nicht von Dauer-Klagenden oder mit der Haftung Drohenden hineintheatern", erklärt er im "Kurier"-Interview.

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Dafür sollen die Strukturen des rund 4.000 Mitarbeiter großen Konzerns überprüft werden. Vom künftigen Generaldirektor Clemens Pig und der neuen Finanzchefin Silvia Lieb erwartet Lederer Veränderungen. "Es gibt 30 Hauptabteilungsleiter im ORF. Warum?" Auch bei der Information ortet er mit "8 1/2 Chefredakteuren, wenn wir den stv. Chefredakteur der ,ZiB 2‘ und ORF III mitzählen" Handlungsbedarf, wobei Stellvertreter auch andere Hauptaufgaben haben.

Hohe Gehälter im Visier

Bis 30. April 2028 soll zudem die Liste der ORF-Beschäftigten mit Gehältern über 170.000 Euro kürzer werden. Bei neuen Topmanagern setzt Lederer auf Basiseinkommen, Funktionszulage und eine Erfolgskomponente von bis zu 30 Prozent. Fällt eine Funktion weg, soll auch die Zulage entfallen. Damit will er auch das Thema der gut bezahlten früheren Funktionsträger, der "Weißen Elefanten", beenden.

Kürzungen beim linearen Angebot oder den Landesstudios lehnt Lederer hingegen ab. "Abdrehen, um einzusparen – wenn der ORF nicht mehr mitspielt, sind alle Verlierer." Gleichzeitig verlangt er "wesentlich mehr Beinfreiheit" im Digitalbereich: "Was sich im Netz oder auf Social Media nicht wiederfindet, findet bei jungen Menschen nicht statt." Eine Ausweitung müsse jedoch mit den Privaten abgestimmt werden. Dass der ORF gesetzlich sämtliche Angebote für Unter-30-Jährige aufgeben könnte, erwartet er nicht.

"Wer allein agiert, geht unter"

Lederer sieht den gesamten österreichischen Medienstandort unter Druck. Beim ORF-Zukunftsforum von Medienminister Andreas Babler (SPÖ) am 10. und 11. September hätte er deshalb lieber "alle (Akteure) an einem Tisch" gesehen. Gegen die Dominanz von Google, Amazon, Facebook und Co. brauche es Zusammenarbeit: "Wer allein agiert, geht unter."

Er wirbt erneut für einen gemeinsamen "Österreich-Player" von ORF und privaten Medien. Landesstudios und regionale Inhalte könnten dabei eine wichtige Rolle spielen und die Plattform auch für die Werbewirtschaft attraktiv machen. Ansätze gebe es bereits auf sound.orf.at.

Den FPÖ-Plan, die öffentlichen Mittel für den ORF zu halbieren, kritisiert Lederer scharf: "Entweder nimmt die FPÖ die Verfassung nicht ernst oder sich selbst nicht". Die "öffentlich-rechtliche Breite" müsse erhalten bleiben. Skeptisch ist er aber auch bei der Neos-Idee, den ORF-Beitrag in der Verfassung abzusichern. Eine Reform der ORF-Gremien hält Lederer zwar für diskutierbar, an der schwierigen Lage des Medienmarktes ändere sie aber "keinen Millimeter".

{title && {title} } red, {title && {title} } 09.09.2026, 09:15