Der massive russische Angriff auf die Ukraine hat auch in den Nachbarstaaten für Alarm gesorgt. In der Republik Moldau drang eine Drohne in den Luftraum ein und explodierte nahe dem östlichen Dorf Hirbovet. Die Nato-Staaten Rumänien und Polen ließen Kampfjets aufsteigen, an den polnischen Flughäfen Lublin und Rzeszow wurde der Flugbetrieb vorübergehend eingestellt. Darüber berichtet "ntv" am Mittwoch.
In der Ukraine forderten die russischen Drohnen- und Raketenangriffe nach ukrainischen Angaben fünf Todesopfer. Unter den Toten der nächtlichen Attacken auf Kiew und eine nördliche Vorstadt waren demnach zwei Frauen und ein 14-jähriges Kind. Ein weiterer Mensch kam laut Bürgermeister Vitali Klitschko beim Beschuss eines Lagerhauses in Kiew ums Leben.
Auch die Energieinfrastruktur wurde beschädigt. Wegen mehrerer Brände lag dichter Rauch über der Hauptstadt. Auf dem Gelände einer westlichen Botschaft im Zentrum Kiews wurden zudem Trümmerteile gefunden. Um welche Vertretung es sich handelte, blieb offen.
Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe setzte Russland in der Nacht ballistische Raketen, Seezielflugkörper und 188 Drohnen ein. Fünf Raketen und 155 Drohnen seien abgefangen worden. Ministerpräsident Serhij Korezkyj sprach von der ersten derart massiven und koordinierten Angriffswelle gegen die Energieinfrastruktur seit dem Ende der vergangenen Heizperiode. Die Ukraine befürchtet im Winter weitere systematische Angriffe auf ihre Energie- und Wärmeversorgung.
Moskau erklärte, unter anderem ein Rechenzentrum der ukrainischen Streitkräfte in Kiew angegriffen zu haben. Das russische Militär meldete außerdem Attacken auf das Wasserkraftwerk von Wyschgorod, das Heizkraftwerk Tripillja, ein Umspannwerk sowie Industrie- und Hafenanlagen in der Region Odessa und in Ismajil. Die Nasa-Website Firms registrierte an diesen Stellen Feuer.
Der Energieversorger DTEK teilte mit, die Stromversorgung von 8.000 Haushalten sei wiederhergestellt worden, machte aber keine genauen Angaben zu den Schäden.
Unterdessen setzte auch die Ukraine ihre Angriffe auf russisches Gebiet fort. In der Grenzregion Brjansk kam laut dem dortigen Gouverneur ein Mensch bei einem Drohnenangriff ums Leben. In der Ölförderregion Samara wurden Privathäuser beschädigt.