547.000 Euro für acht Bäume, eine Sitzbank und einen Brunnen in Währing, stolze 2,3 Millionen Euro für 41 Bäume, 10 Sträucher, barrierefreie Gehwege, Radabstellplätze, Sitzgelegenheiten und zwei Trinkbrunnen am Alsergrund: Das Projekt "Raus aus dem Asphalt" – bis 2030 soll nur noch jeder vierte Wiener ein Auto haben – schreitet mit vollem Tempo voran. Und Autofahrer spüren die Folgen schon jetzt – das löst eine hitzige Debatte aus.
In der Staudgasse im 18. Wiener Bezirk fühlten sich einige Bewohner ordentlich gepflanzt, denn: Während der Straßenverkehr für über eine halbe Million Euro klimafitter gemacht wurde, sollen unweit davon 2.000 Quadratmeter Wiese von einem Turnverein in Beton umgewandelt werden.
Von der Wilhelm-Exner-Gasse und der Sobieskigasse über die Gießergasse bis hin zur Dreihackengasse im 9. Bezirk werden zwar keine Wiesen vernichtet, dafür aber rund 40 Parkplätze – mehr dazu hier.
Laut der Studie "Smart Klima City Strategie Wien" soll sich der Autoverkehr im Stadtgebiet nachhaltig ändern:
Der Autoverkehr im Stadtgebiet soll weiter nach unten sinken. Die Stadt Wien hat dafür ein Strategiepapier ausgearbeitet. Laut der Studie "Smart Klima City Strategie Wien" soll es bis 2030 nur noch 250 private Pkw pro tausend Einwohner geben. Der bewusste Parkplatz-Abbau ist Teil des Plans. "Stellplätze im öffentlichen Raum werden sukzessive reduziert", heißt es in dem Papier. In fünf Jahren soll also nur noch einer von vier Wienern ein Auto haben.
Seit der Begrünungs-Offensive im Vorjahr ist das Alsergrunder Grätzl dafür um 41 Bäume, 10 Sträucher, barrierefreie Gehwege, Radabstellplätze, Sitzgelegenheiten und zwei Trinkbrunnen reicher. Kostenpunkt: 2,3 Millionen Euro. Die Stadt Wien fördert das Projekt zu 80 Prozent, auch das AKH beteiligte sich an dem Klima-Projekt.
Für Leserin Marion haben die Baumaßnahmen schwerwiegende Folgen: Sie kann ihr Auto einfach nicht mehr fortbewegen, der Wagen verkümmert in einer nahegelegenen Kurzparkzone. Statt rund 40 vernichteter Parklücken sehe sich die Wienerin nun mit "einer Schottergartenwüste mit ein paar Bäumen und zig Parkplätzen weniger" konfrontiert.
„Es ist und bleibt ein einziges Hundeklo, das im Sommer erbärmlich stinkt. Wir fahren nicht mehr weg, weil wir keinen Parkplatz mehr finden.“Leserin Marionüber die Baumaßnahmen in ihrem Grätzl
Für Autobesitzer ein immer öfter vorkommendes Dilemma in der Hauptstadt: Viele Pkw-Besitzer zahlen ganzjährige Parkpickerl, doch die einzige Parkgelegenheit ohne stundenlanger Parkplatzsuche besteht offensichtlich nur in der Miete von Garagenplätzen. Das 2,3-Millionen-Ökoprojekt am Alsergrund zwingt immer mehr Autofahrer am Alsergrund in die Knie – "Heute" fing ein paar Leserkommentare ein.
"In Wien braucht man kein Auto. Die Öffis reichen völlig", hebt ein Leser in der Kommentarspalte hervor. "Es ist ein Amoklauf der Autohasserinnenfraktion", entgegnet ein anderer. Ein weiterer Leser packte eine gehörige Portion Ironie in seinen Kommentar: "Viel besser für die Umwelt, wenn jeder herumfährt und Parkplatz sucht."
Ein anderer Leser wiederum findet meckern unangebracht, denn: "Eure Wahl, euer Ergebnis." Nichtsdestotrotz scheinen nicht alle Wahlbeteiligten zufrieden zu sein: "Wien ist eine Großstadt und kein Nationalpark!"
Wie man auch zu den klimafit-Maßnahmen auf Wiens Straßen steht: In fünf Jahren soll nur noch einer von vier Wienern ein Auto haben. Das entspricht einem Minus von 200.000 Fahrzeugen.
"Wien realisiert und fördert die 15-Minuten-Stadt mit kurzen Wegstrecken, lebendigen, gemischt genutzten Stadtteilen und einer Neuverteilung des öffentlichen Straßenraums zugunsten von aktiver Mobilität, Öffis und attraktiven Verweilmöglichkeiten", heißt es in der Studie "Smart Klima City Strategie Wien" der Stadt Wien.
Ambitioniertes Ziel von Planungsstadträtin Ulli Sima (SP): Der Anteil der Fahrzeuge mit nicht-fossilen Antrieben soll bei den Neuzulassungen bis 2030 "auf 100 Prozent" steigen…