Ein bisschen Knete, zwei große Ohren und irgendwie muss dieses Gesicht jetzt noch nach Pichu aussehen.
Was bei mir nach einigen Minuten zumindest entfernt an das kleine Elektro-Pokémon erinnert, ist für die Menschen neben mir tägliche Arbeit. Allerdings in einer völlig anderen Liga.
Bei der Pokémon-WM in San Francisco durfte "Heute" gemeinsam mit den Machern von Aardman ein eigenes Pichu formen. Jenem britischen Studio, das mit "Wallace & Gromit" und "Shaun das Schaf" Stop-Motion-Geschichte geschrieben hat.
Jetzt haben sie sich ausgerechnet Pokémon vorgenommen.
2027 erscheint auf Disney+ "Pokémon Tales: The Misadventures of Sirfetch’d & Pichu". Im Mittelpunkt stehen Lauchzelot und Pichu, die gemeinsam durch die Galar-Region ziehen.
Wie viel Arbeit in diesen kleinen Figuren steckt, wird im Gespräch mit den Machern erst richtig klar.
Seit rund vier Jahren wird bereits an der Serie gearbeitet.
Für eine Szene von nur wenigen Sekunden kann schon einmal eine komplette Arbeitswoche draufgehen. Figur bewegen, Foto machen. Wieder minimal bewegen, nächstes Foto. Immer und immer wieder.
Was später auf dem Bildschirm vollkommen selbstverständlich aussieht, entsteht Millimeter für Millimeter.
Besonders bemerkenswert ist das in einer Zeit, in der künstliche Intelligenz innerhalb weniger Sekunden ganze Videos erschaffen kann. Bei Aardman geht man den anderen Weg.
Die Sets werden von Hand gebaut, Figuren tatsächlich bewegt und die Welt von Pokémon Stück für Stück zum Leben erweckt. Laut den Machern wurde bei den Sets weder auf KI noch auf CGI gesetzt.
Und plötzlich bekommt man eine ganz andere Vorstellung davon, was vier Jahre Produktionszeit eigentlich bedeuten. Hier steckt nicht nur Technik drin. Sondern verdammt viel Geduld.
Dabei übernehmen die Briten keine kleine Marke. Pokémon feiert gerade seinen 30. Geburtstag – und seine Fans achten mitunter sehr genau darauf, wie Pikachu & Co. dargestellt werden.
Angst vor deren Reaktion? Fehlanzeige.
"Nervös sind wir gar nicht", stellen die Macher im Gespräch mit "Heute" klar. Im Gegenteil: Sie freuen sich darauf, endlich zu sehen, wie die Fans reagieren.
Sie seien überzeugt davon, dass Pokémon-Anhänger die Serie lieben werden. Bei manchen Dingen könnten selbst langjährige Fans überrascht werden.
Auch die Auswahl der kleinen Hauptdarsteller lief überraschend charmant ab.
Statt einfach die bekanntesten Pokémon ins Rampenlicht zu stellen, wurde bei Aardman quasi demokratisch abgestimmt. Im Team wurde gesammelt und diskutiert, welche Pokémon man gerne in der Serie sehen würde.
Bewusst konzentrierte man sich dabei auf die Galar-Region. Nicht nur wegen ihrer Pokémon: Auch die abwechslungsreichen Landschaften sollen eine wichtige Rolle spielen und in Stop-Motion besonders zur Geltung kommen.
Das Ergebnis ist eine Pokémon-Welt, bei der selbst kleinste Details tatsächlich gebaut werden müssen.
Und nachdem ich selbst versucht habe, zumindest ein einziges Pichu hinzubekommen, habe ich dafür noch etwas mehr Respekt.
Immerhin verraten mir die Profis zum Abschied noch ihr Geheimnis: Die Knetmasse vorher möglichst lange in den Händen aufwärmen. Dann lässt sie sich leichter formen.
Mein Pichu wird deshalb vermutlich trotzdem keinen Auftritt auf Disney+ bekommen.