Mehr Biodiversität, mehr Grün – und ein Stück Natur in der Stadt: Mit dem Projekt "LIFE VienNATURA" startet in Breitenlee in der Donaustadt das bisher größte Renaturierungsvorhaben der Stadt. Die ersten Arbeiten laufen bereits auf Hochtouren.
Im Fokus steht ein Areal, das lange brach lag: der ehemalige Verschiebebahnhof Breitenlee, der bereits 1945 stillgelegt wurde. Seither hat sich die Natur das Gebiet zurückerobert. Die Stadt Wien hat das Gelände von den ÖBB gekauft, unterstützt durch den Biodiversitätsfonds des Bundes.
Heute ist daraus ein wertvoller Lebensraum entstanden – allerdings auch mit Problemen. Invasive Pflanzen wie Götterbaum und Goldrute breiten sich aus und müssen bekämpft werden. Das über 90 Hektar große Areal wurde bereits 2025 als Natura-2000-Gebiet ausgewiesen – und steht damit unter besonderem europäischem Schutz. Jetzt wird die Fläche Schritt für Schritt in einen wertvollen Lebensraum für Tiere und Pflanzen verwandelt.
Koordiniert wird das Projekt von der MA 22 (Umweltschutz) und der MA 49 (Forstamt und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien). Mit an Bord sind weiters die MA 48 (Abfallwirtschaft), das Naturhistorische Museum, BirdLife Österreich und ICLEI Europe –ein weltweiter Verband von Städte für Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung.
"Mit diesem LIFE-Projekt starten wir in Wiens bisher größtes Renaturierungsprojekt, das ist ein großer Schritt in Richtung EU-Wiederherstellungsverordnung!", erklärte Klima-Stadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ).
Die Arbeiten sollen bis Ende 2032 laufen. Versiegelte Flächen werden aufgebrochen, Wiesen und Trockenrasen wiederhergestellt und invasive Pflanzen entfernt. So entstehen neue Lebensräume für zahlreiche Arten – darunter seltene Vögel, Wildbienen, Heuschrecken und sogar Orchideen.
"Neben den Renaturierungsmaßnahmen und Monitorings, wird ein Managementplan erstellt, der sicherstellt, dass der einmalige Wert des Areals auch nach Ende des Projekts 2032 erhalten bleibt", führen Michael Kienesberger, Leiter der MA 22, und Petra Wagner, Leiterin der MA 49, aus.
Doch nicht nur Tiere profitieren: Auch für die Wiener entsteht ein neuer Erholungsraum. Dabei handelt es sich bewusst nicht um einen klassischen Park, sondern um ein geschütztes Naturgebiet. Besucher sollen die Natur respektvoll nutzen. Gleichzeitig wirkt das Gebiet wie eine natürliche Klimaanlage: Es sorgt für Durchlüftung, Schatten und Kühlung.
Finanziell profitiert Wien stark von der EU: Rund zwei Drittel der Kosten werden über das LIFE-Programm gedeckt. Angelika Pipal-Leixner, Umweltsprecherin der Neos Wien, betont: "Mit dem neuen Naturschutzgebiet in Breitenlee sichern wir Lebensräume für geschützte Tier- und Pflanzenarten ab und optimieren sie, indem wir den natürlichen Ursprungszustand wiederherstellen. Davon profitieren schließlich auch wir Menschen, denn eine gesunde Natur und ein gesundes Makro- und Mikroklima sind für uns lebensnotwendig."