Die Bundeshauptstadt könnte für russische Geheimdienste eine wichtige Rolle spielen. Hinweise deuten darauf hin, dass mehrere Anlagen in der Stadt für Satellitenspionage genutzt werden. Besonders eine große Installation in der Donaustadt sorgt laut ORF seit Jahren für Aufmerksamkeit.
Auf den Dächern der russischen Diplomatensiedlung stehen mehrere Parabolantennen. Diese können auf Satelliten ausgerichtet werden, um Daten und Informationen abzufangen - etwa jene, die internationale Organisationen über Satelliteninternet übertragen. Seit Beginn des Ukraine-Krieges soll die Anlage sogar weiter ausgebaut worden sein.
Der Journalist Erich Möchel beobachtet die Aktivitäten gemeinsam mit Funkamateuren seit Jahren. Er sagt gegenüber "Wien heute": "Hier wurde laufend ausgebaut und die Spiegel werden auch regelmäßig bewegt. Das heißt, sie schauen auf andere Ziele und gehen dann wieder auf die ursprüngliche Position zurück oder nehmen eine neue Position ein. Ich würde sagen, eine Bewegung einmal in der Woche ist das Mindeste."
Neben der Anlage in der Donaustadt gibt es laut Möchel auch am Gebäude der russischen Botschaft im dritten Bezirk auffällige Technik. Dort sollen mehrere Antennen auf dem Dach installiert sein. "Am Dach sehen wir ungefähr sechs bis acht Satellitenantennen. Und eine, die man von der Straße sehr gut sieht, ist eindeutig eine Antenne, die auf einen Satelliten-Downlink schaut, der nicht für sie gedacht ist."
Andere europäische Länder haben nach Beginn des Ukraine-Krieges bereits reagiert und russisches technisches Botschaftspersonal ausgewiesen, um mögliche Abhörstationen lahmzulegen. Für den Betrieb solcher Anlagen brauche es viel Personal. Möchel spricht bei der Anlage in der Donaustadt von "mindestens zwei Dutzend Mitarbeitern".
Mit dem Wegfall ähnlicher Standorte in anderen Ländern soll Wien für russische Aktivitäten noch wichtiger geworden sein. Österreich hat seit Beginn des Krieges elf russische Botschaftsmitarbeiter ausgewiesen. Laut dem Außenministerium sind derzeit 225 Personen an diplomatischen Vertretungen Russlands in Österreich akkreditiert.
Dass entsprechende Aktivitäten stattfinden könnten, ist den Behörden bekannt. Die Anlage in der Donaustadt wird auch im aktuellen Verfassungsschutzbericht erwähnt. Dort heißt es: "Die internationale Reputation Österreichs nimmt durch die russischen Aktivitäten im Bereich der Signalaufklärung, ausgehend von Wien, Schaden."
Eine Anfrage zu den Vorwürfen ließ die russische Botschaft in Wien unbeantwortet.
Das Außenministerium kündigte im ORF inzwischen Schritte an. In einer Stellungnahme heißt es: "Wir stehen mit der russischen Botschaft in intensivem Kontakt (zuletzt vergangene Woche), können aber noch keine operativen Details nennen. Wir arbeiten gemeinsam mit den Sicherheitsbehörden mit Nachdruck daran, den Antennenwald zu lichten."
Ob diese Maßnahmen Erfolg haben werden, bezweifelt Beobachter Möchel allerdings. Im ORF sagt er: "Da wird die Frau Außenministerin einen sehr schweren Stand haben, wenn sie sich darüber beschwert. Das Heeresnachrichtenamt der neutralen Republik Österreich betreibt bekanntlich gemeinsam mit der amerikanischen NSA eine sehr große Nachrichtenaufklärungsanlage, also einen gemeinsamen militärischen Stützpunkt, auf der Königswarte in Kittsee."