Gipfel in Wien

Ukraine-Milliarden: "Kein Ziel, Kriegsgewinner zu sein"

Der Wiederaufbau der Ukraine gilt als große wirtschaftliche Chance für Österreich. Vorwürfe der "Kriegsgewinnlerei" werden jedoch klar zurückgewiesen.
Newsdesk Heute
26.02.2026, 12:38
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Wien wird zum Treffpunkt für den Wiederaufbau der Ukraine: Am Donnerstag und Freitag kommen in der Bundeshauptstadt internationale Sonderkoordinatoren zusammen. Ziel ist es, milliardenschwere Projekte besser abzustimmen und die Zusammenarbeit effizienter zu gestalten.

Erwartet werden knapp 50 Vertreter aus Europa sowie aus Kanada, Japan, Korea und der Türkei. Auch große internationale Finanzinstitutionen wie Weltbank, EIB und EBRD nehmen teil. Mit dabei ist zudem Ex-Bundeskanzler Karl Nehammer in seiner neuen Rolle als Vizepräsident der EIB, der ab 1. März auch für den Wiederaufbau der Ukraine zuständig ist.

Eröffnet wird die Veranstaltung von Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (Neos) und Regierungskoordinator Wolfgang Anzengruber. Dieser fungiert als Schnittstelle zwischen Politik, Wirtschaft und ukrainischen Partnern.

200 Österreich-Firmen in der Ukraine

Trotz des anhaltenden Krieges entwickeln sich die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und der Ukraine dynamisch. Rund 200 österreichische Unternehmen sind derzeit mit Niederlassungen in der Ukraine aktiv. Besonders stark ist Österreich im Bahnsektor, im Maschinenbau sowie im Energiesektor – insbesondere bei Wasserkraft.

Der Finanzbedarf für den Wiederaufbau ist groß: Die Weltbank geht von einer Schätzung von rund 588 Milliarden US-Dollar (rund 498,8 Milliarden Euro) für die nächsten zehn Jahre aus.

Projekte bereits gestartet

Laut Anzengruber wird das "riesige Volumen" notwendig sein für Reparaturen und Investitionen in die Zukunft. Er geht davon aus, dass der Bedarf von österreichischen Unternehmen gedeckt werden kann, etwa im Energiebereich, Infrastruktur, Maschinen- und Landwirtschaftstechnik sowie Bauwirtschaft.

Vor der Befürchtung, dass die Investitionen ein Risiko bieten, beruhigt Anzengruber im "Ö1-Journal": "Natürlich ist das Land im Krieg und es besteht ein politisches Risiko. Dafür gibt es aber Instrumente sowohl auf internationaler und nationaler Ebene, wie die Kontrollbank, die teilweise Garantien zur Absicherung des Risikos bieten. Gleichzeitig sehen wir, dass Projekte bereits starten. Zu warten, bis der Krieg vorbei ist und dann erst zu beginnen, dann ist man sicherlich zu spät."

"Keine Kriegsgewinnler"

Auch die Vorwürfe von "Kriegsgewinnlerei" weist Anzengruber zurück: "Es ist kein Ziel hier, Kriegsgewinner zu sein. Das Land hat aber einen enormen Bedarf, den es zu decken gilt. Dass dieser Bedarf aus einem furchtbaren Krieg entstanden ist, ist massiv und dramatisch. Hier geht es nicht nur um Hilfestellungen und Gewinne zu erwirtschaften, sondern auch Partnerschaften und langfristige Geschäftsbeziehungen.

"Große wirtschaftliche Chance"

Meinl-Reisinger verweist ebenfalls auf die wirtschaftliche Dimension: "Das Interesse österreichischer Unternehmen am Wiederaufbau ist groß. Es geht hier nicht nur um Solidarität und Hilfe, sondern um eine große wirtschaftliche Chance für Österreich. Denn die Aufträge kommen am Ende dem Standort Österreich zugute, und sichern Arbeitsplätze - auch in Österreich. Unser Ziel ist es, im Wettbewerb um die Beteiligung am Wiederaufbau koordiniert vorzugehen und internationale Kooperation vor Konkurrenz zu stellen."

Mit dem Treffen in Wien soll die internationale Koordination vertieft und der Wiederaufbau langfristig strategisch ausgerichtet werden.

{title && {title} } red, {title && {title} } 26.02.2026, 12:38
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