Österreich rückt in den Fokus des Ukraine-Wiederaufbaus: Ende dieser Woche treffen sich in Wien internationale Sonderkoordinatoren, um die nächsten Schritte abzustimmen. Ziel ist eine engere Zusammenarbeit und mehr Effizienz bei den milliardenschweren Projekten.
Das hochrangige Treffen findet am Donnerstag und Freitag auf Initiative des österreichischen Außenministeriums statt. Erwartet werden knapp 50 Vertreter aus Europa sowie aus Kanada, Japan, Korea und der Türkei.
Auch internationale Finanzinstitutionen wie Weltbank, EIB und EBRD sind vertreten – ebenso Ex-Bundeskanzler Karl Nehammer in seiner neuen Funktion als Vizepräsident der EIB, der ab 1. März auch für den Wiederaufbau der Ukraine zuständig ist.
Eröffnet wird die Veranstaltung von Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (Neos) und Regierungskoordinator Wolfgang Anzengruber, der als Schnittstelle zwischen Politik, Wirtschaft und ukrainischen Partnern fungiert.
Meinl-Reisinger betont neben der Solidarität auch die wirtschaftliche Dimension: "Das Interesse österreichischer Unternehmen am Wiederaufbau ist groß. Es geht hier nicht nur um Solidarität und Hilfe, sondern um eine große wirtschaftliche Chance für Österreich. Denn die Aufträge kommen am Ende dem Standort Österreich zugute, und sichern Arbeitsplätze - auch in Österreich. Unser Ziel ist es, im Wettbewerb um die Beteiligung am Wiederaufbau koordiniert vorzugehen und internationale Kooperation vor Konkurrenz zu stellen."
Rund 200 österreichische Firmen sind derzeit mit Niederlassungen in der Ukraine vertreten. Sie sind in sechs Cluster organisiert – von Bauwirtschaft, Energie und Verkehrsinfrastruktur über Land- und Forstwirtschaft bis hin zu Finanz-, Versicherungs- und Gesundheitsdienstleistungen. Ein zusätzlicher Cluster für Rohstoffe und Bergbau ist in Planung.
Anzengruber sieht seine Aufgabe vor allem in der Mobilisierung privater Mittel und im Vernetzen von Partnern: "Im Zentrum meiner Tätigkeit stehen die Mobilisierung privaten Kapitals für den Wiederaufbau sowie gezieltes „Matchmaking" zwischen österreichischen Unternehmen, ukrainischen Partnern, internationalen Finanzinstitutionen und Garantiegebern. Der Wiederaufbau ist kein Projekt für zwei oder drei Jahre, es handelt sich um ein Generationenprojekt.“
Der finanzielle Bedarf steigt derzeit weiter: Während die Weltbank im Vorjahr noch von 524 Milliarden US-Dollar (444,5 Milliarden Euro) ausging, beziffern neue Schätzungen die Kosten mittlerweile auf rund 588 Milliarden US-Dollar (rund 498,8 Milliarden Euro).
Trotz des anhaltenden Krieges entwickeln sich die Wirtschaftsbeziehungen positiv: Das österreichische Exportvolumen in die Ukraine legte 2025 um 16 Prozent zu. Besonders stark ist Österreich im Produktgeschäft, etwa im Bahnbereich, im Maschinenbau und im Energiesektor – insbesondere bei Wasserkraft.
Österreich verfügt inzwischen über Beobachterstatus in der Ukraine Donor Platform (UDP) und kann so bei der Festlegung von Ausschreibungsbedingungen für große Projektfinanzierungen mitwirken.
Mit dem Treffen in Wien soll die internationale Koordination weiter gestärkt und der Wiederaufbau der Ukraine langfristig strategisch ausgerichtet werden.