"Du hast dich hochgeschlafen"

Witze, Nachteile – Ärztinnen packen über Sexismus aus

Frauen in Wiener Spitälern berichten von Sexismus, Karrierekürzungen und Machokultur – einige wechseln deshalb in "frauenfreundlichere" Bereiche.
Österreich Heute
12.03.2026, 18:00
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Trotz medizinischer Ausbildung, Engagement und Qualifikation stoßen Frauen in Wiener Spitälern auf Hürden. Fünf Ärztinnen berichten im "Falter" über systematische Benachteiligung, Sexismus und verdeckte Karriereblockaden, die ihren beruflichen Alltag prägen.

Neurologin: Vom OP-Saal in die Verwaltung

So berichtete eine Neurologin, dass sie nach einer dreimonatigen Basisausbildung in der Neurochirurgie zunächst positive Rückmeldungen erhielt und auf eine Assistenzarztstelle gehofft hatte. Kurzfristig wurden die Stellen jedoch an externe männliche Kollegen vergeben – trotz fehlender Vorerfahrung. Die Ärztin erhielt stattdessen eine administrative Position mit deutlich geringerem Gehalt.

"Ich musste für 30 Stunden 2.000 Euro netto arbeiten, während mein männlicher Kollege das Dreifache bekam", erzählt sie. Später bewarb sie sich erneut auf zwei Stellen, die jedoch wieder Männern zugesprochen wurden. Offizielle Begründungen gab es keine. Die Gleichbehandlungsstelle in der Klinik wies ihre Beschwerden ab. Heute arbeitet sie in der Neurologie – einem vorwiegend weiblichen Fach.

Gefäßchirurgin: Machokultur im OP

Eine Gefäßchirurgin beschrieb die durch Männer dominierte Hierarchie in chirurgischen Abteilungen. "Es gibt viele Männer-Seilschaften, die sich gegenseitig fördern. Frauen bekommen Steine in den Weg gelegt."

Ihr sei geraten worden, in die Ordination zu wechseln, weil sie gut mit Patienten umgehen könne – ein vermeintliches Kompliment, das eigentlich bedeuten würde: "Frauen gehören nicht in den OP." Belästigende Kommentare, Anspielungen auf das Äußere und sexualisierte Bemerkungen seien anfangs Alltag gewesen. Mit zunehmender Erfahrung habe sie sich behaupten können, beobachtet aber, dass junge Kolleginnen das machohafte Verhalten älterer Oberärzte übernehmen.

Gynäkologin: Operieren gilt nicht als familienfreundlich

Eine Fachärztin für Gynäkologie berichtet, dass Oberärzte während ihrer Ausbildung klar machten, dass operative Karrieren für Frauen "nicht lohnenswert" seien. Begründung: Frauen würden später Teilzeit arbeiten, sobald sie Kinder hätten.

"Ich wusste nicht einmal, ob ich Kinder bekommen will, und wollte dennoch operieren. In vier Jahren habe ich in der Klinik nur 20 Operationen gemacht, die Hälfte davon waren Notfälle, bei denen ich zufällig im Dienst war", sagt sie. Erst der Wechsel des Krankenhauses und des Bundeslands ermöglichte ihr eine operative Ausbildung. In ihrem jetzigen Team, das ausschließlich aus Frauen besteht, läuft die Arbeit deutlich anders.

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