Mit Messern, Macheten, Hämmern, Stöcken und Schlagringen prügelten vermummte Tschetschenen am 7. Juli 2024 auf eine verfeindete Gruppe Afghanen ein – vier Menschen wurden teils schwer verletzt, Opfer kamen mit Stichwunden und Schädelverletzungen ins Spital. Nun startet der juristische Showdown im Wiener Landesgericht. Bewaffnete Beamte sind vor Ort, der Mega-Prozess kann nur unter strengen Sicherheitsvorkehrungen stattfinden.
Ursprünglich wurden 24 junge Männer – alle mit tschetschenischem Migrationshintergrund – angeklagt. Aus Platzgründen werden am ersten Verhandlungstag nur acht Burschen auf die Anklagebank gelassen – weitere Prozesstage sind bis 21. Jänner angesetzt. Die Staatsanwaltschaft sieht die Attacke als geplanten Racheakt im Zuge des Wiener Bandenkriegs. Laut Staatsanwaltschaft soll der später verurteilte Bankräuber Abu Bakar D. (25) im Sommer 24 als Anführer einer gewaltbereiten Tschetschenen-Community fungiert und via Telegram zum Angriff aufgerufen haben ("Morgen vernichten wir alles").
In einer eiligst einberufenen "Konferenz" am Bahnhof Floridsdorf wurden seine Anhänger demnach kurz vor dem Angriff aufgestachelt, bevor sie am nächsten Abend gemeinsam über die Philadelphiabrücke zum Schedifkaplatz zogen und dort maskiert ihre Gegner überfielen. Trotz schneller Polizei-Reaktion, die nach 39 Sekunden bereits vor Ort war, konnten zahlreiche Täter flüchten. Erst akribische Ermittlungen überführten die Verdächtigen schlussendlich.
Für Hochspannung sorgt zusätzlich ein brisanter Zusammenhang: Nicht nur Abu Bakar, sondern auch der mitangeklagte IS-Fan Luca K. (18) soll Kontakt zum Terror-Verdächtigen Beran A. (20) gepflegt haben, der im Sommer ein Blutbad beim Wien-Konzert von Taylor Swift geplant haben soll. Andere sollen einfach Mitläufer gewesen sein. Top-Anwalt Florian Kreiner verteidigt einen 19-Jährigen, der sich habe mitreißen lassen. Die 94-Seiten-Anklage lautet auf absichtlich schwere Körperverletzung und gemeinschaftliche Gewalt. Es gilt die Unschuldsvermutung.