Die Xiaomi Watch S5 markiert für Xiaomi einen wichtigen Schritt. Schon die Xiaomi Watch S4 zeigte, dass der Hersteller bei Smartwatches längst mehr will als nur günstige Fitnessuhren zu verkaufen. Die neue Watch S5 geht nun aber deutlich weiter. Xiaomi verändert nicht nur das Design, sondern auch die gesamte Ausrichtung der Uhr. Die Watch S5 soll erwachsener wirken, hochwertiger aussehen und stärker im Premium-Bereich mitspielen. Xiaomi hat dazu das Erscheinungsbild deutlich überarbeitet. Die Xiaomi Watch S5, die je nach Modell und Material bei 180 Euro startet (160 waren es bei der S4), setzt weiterhin auf ein rundes Gehäuse, wirkt aber eleganter als die Watch S4. Das Design orientiert sich an klassischen Armbanduhren.
Die Uhr besitzt ein 46 Millimeter großes Gehäuse und ist laut Hersteller 10,99 Millimeter dünn. Das Gewicht liegt bei rund 46 Gramm ohne Armband. Gerade im Vergleich zur Watch S4 versucht Xiaomi damit einen Spagat: Die Uhr soll groß genug für ein auffälliges Design bleiben, gleichzeitig aber angenehmer am Handgelenk sitzen. Beim Material setzt Xiaomi auf einen Edelstahlrahmen. Zusätzlich bietet der Hersteller verschiedene Lünettenvarianten aus Edelstahl, Keramik oder dem Verbundmix Forged Carbon an. Besonders die Ceramic-Blue-Version wirkt deutlich edler als frühere Xiaomi-Uhren. Die Jungle-Green-Variante mit grünem Fluorkautschukband und Nylonarmband richtet sich dagegen eher an sportliche Nutzer.
Im Vergleich zur Xiaomi Watch S4 fällt auf, dass Xiaomi die Individualisierung diesmal weniger stark in den Mittelpunkt stellt. Die S4 war vor allem durch ihr Wechselrahmen-Konzept aufgefallen. Bei der Watch S5 konzentriert sich Xiaomi stärker auf ein geschlossen wirkendes Premium-Design. Die Uhr soll hochwertiger wirken und weniger wie ein typisches Fitness-Gadget aussehen. Das gelingt in vielen Bereichen tatsächlich. Vor allem die Kombination aus Edelstahlrahmen und schmaleren Displayrändern lässt die Uhr moderner wirken als ihren Vorgänger. Gleichzeitig verliert die Reihe aber auch ein Stück ihrer früheren Eigenständigkeit. Die Watch S4 wirkte experimenteller und mutiger, die Watch S5 geht den sichereren Weg.
Im Mittelpunkt steht das neue 1,48 Zoll große AMOLED-Display. Xiaomi verbaut ein Panel mit 480 x 480 Pixeln und 323 PPI. Die Uhr erreicht laut Hersteller bis zu 2.500 Nits Spitzenhelligkeit beziehungsweise bis zu 1.500 Nits im HBM-Modus. Gerade draußen ist das wichtig. Viele Smartwatches bleiben bei direkter Sonne schwer lesbar, die Watch S5 schneidet hier deutlich besser ab. Auch die schmaleren Bildschirmränder fallen sofort auf. Die Vorderseite wirkt dadurch moderner und näher an deutlich teureren Smartwatches. Xiaomi versucht sichtbar, die Uhr optisch hochwertiger erscheinen zu lassen als frühere Modelle. Bei der Akkulaufzeit bleibt Xiaomi seiner Linie treu. Laut Hersteller hält die Watch S5 bis zu 21 Tage durch.
Xiaomi spricht dabei von einem 815-mAh-Akku, der laut Hersteller rund 68 Prozent mehr Kapazität bietet als die Xiaomi Watch S4. Gerade im Smartwatch-Bereich bleibt das ein wichtiger Vorteil. Viele Konkurrenzmodelle müssen oft schon nach ein oder zwei Tagen wieder geladen werden. Natürlich hängen solche Werte stark von der tatsächlichen Nutzung ab. Xiaomi nennt für die 21 Tage einen speziellen Leichtnutzungsmodus mit aktivierten Energiesparfunktionen. Trotzdem ist die Watch S5 im Alltag klar ausdauernder als viele Wear-OS-Konkurrenten und kommt bei durchschnittlicher Nutzung auf eineinhalb, bei starker Nutzung auf eine Woche Laufzeit. Geladen wird über ein magnetisches Ladesystem mit Pins.
Xiaomi bleibt also bei einem klassischen proprietären Ladeanschluss. Kabelloses Qi-Laden unterstützt die Uhr nicht. Auch bei der Software entwickelt Xiaomi die Reihe weiter. Die Uhr setzt auf HyperOS und soll stärker mit anderen Xiaomi-Geräten zusammenarbeiten. Nutzer können etwa Smartphone-Funktionen oder Fitnessdaten enger verknüpfen. Gleichzeitig bleibt die Oberfläche vergleichsweise einfach aufgebaut. Xiaomi verzichtet weiterhin auf komplizierte Menüs oder überladene Animationen. Das ist ein Unterschied zu vielen Konkurrenzmodellen. Die Watch S5 will keine Mini-Smartphone-Uhr sein, sondern eine unkomplizierte Smartwatch für Alltag, Sport und Gesundheitsfunktionen. Genau darin liegt eine der größten Stärken der Reihe.
Bei den Gesundheitsfunktionen legt Xiaomi ebenfalls nach. Die Watch S5 besitzt einen neuen Herzfrequenzsensor mit vier LEDs und vier PD-Sensoren. Xiaomi spricht von einer Genauigkeit von 98,4 Prozent. Solche Herstellerangaben sollte man zwar immer vorsichtig betrachten, die neue Sensorik zeigt aber, dass Xiaomi die Gesundheitsfunktionen stärker in den Mittelpunkt rückt. Die Uhr unterstützt Herzfrequenzmessung, Blutsauerstoffüberwachung, Stressmessung und Schlaftracking. Gerade bei der Schlafanalyse erweitert Xiaomi die Funktionen merklich. Die Watch S5 unterstützt nun Schlaf-HRV-Monitoring. Es gibt auch wöchentliche und monatliche Schlafberichte und fundiertere Hinweise zum Schlafverhalten durch Experten-Kooperationen.
Im Alltag dürfte vor allem die detailliertere Schlafanalyse viele Nutzer interessieren. Gerade günstige Smartwatches lieferten hier früher oft nur grobe Schätzungen. Xiaomi versucht nun, genauer und umfangreicher zu werden. Auch im Sportbereich baut Xiaomi die Funktionen aus. Die Watch S5 unterstützt mehr als 150 Sportmodi. Dazu kommen Verbesserungen bei der Standortbestimmung. Xiaomi verbaut ein Dual-Band-Fünf-System-GNSS. Gerade in Städten oder zwischen hohen Gebäuden soll die Position dadurch präziser erfasst werden. Schon die Watch S4 war beim GPS überraschend ordentlich, die Watch S5 arbeitet nochmals genauer. Besonders Läufer und Radfahrer sowie Sportler in Städten dürften davon profitieren.
Xiaomi erweitert außerdem die Fahrradfunktionen. In Verbindung mit dem Smartphone kann die Uhr Trainingsdaten in Echtzeit anzeigen. Zusätzlich unterstützt die Watch S5 externe Bluetooth-Leistungsmesser beim Outdoor-Cycling. Eine der ungewöhnlichsten Neuerungen ist der sogenannte "Passion Mode". Xiaomi bringt damit eine Funktion auf die Uhr, die Jubelbewegungen erkennt. Klatschen, Armschwingen oder geballte Fäuste werden als Bewegungsdaten erfasst. Die Uhr misst dabei unter anderem Herzfrequenz, Kalorienverbrauch und sogenannte "Cheer Counts". Das klingt zunächst kurios, sorgt aber nicht nur für bessere Daten bei Sportveranstaltungen und Konzerten, sondern auch mit nicht so üblichen Sportarten.
Bei den Smartwatch-Sensoren bleibt Xiaomi breit aufgestellt. Zusätzlich zu Herzfrequenz- und Blutsauerstoffsensor besitzt die Watch S5 einen Beschleunigungssensor, Gyroskop, Umgebungslichtsensor, elektronischen Kompass und barometrischen Sensor. Auch bei der Konnektivität modernisiert Xiaomi die Uhr. Die Watch S5 unterstützt Bluetooth 5.4 sowie NFC, mit der Uhr kann man nun auch bezahlen. Dazu kommt die 5-ATM-Wasserdichtigkeit. Die Uhr eignet sich damit laut Hersteller zum Schwimmen im Pool oder für flache Wasseraktivitäten. Bei den Armbändern bietet Xiaomi Fluorkautschuk-, Leder- und Hybridarmbänder an – damit Sportler, Alltagsträger und Businessmenschen ihren passenden Stil finden können.
Bei der Software bleibt Xiaomi allerdings vorsichtiger als manche Konkurrenz. Die Watch S5 setzt nicht auf ein offenes App-System wie Wear OS. Dadurch fehlen manche Drittanbieter-Apps oder spezielle Erweiterungen. Auf der anderen Seite ist die Bedienung dadurch deutlich einfacher. Viele Nutzer wollen keine komplizierte Mini-Smartphone-Uhr am Handgelenk, sondern eine Smartwatch, die Benachrichtigungen anzeigt, Aktivitäten erfasst und lange durchhält. Genau dieses Publikum dürfte Xiaomi mit der Watch S5 ziemlich gezielt ansprechen. Auch die Materialien verändern den Eindruck. Xiaomi setzt über alle Varianten hinweg auf Edelstahlrahmen und kombiniert diese je nach Modell mit Keramik oder Forged Carbon.
Im Alltag dürfte die Watch S5 durch ihre Mischung aus Ausdauer, großem Display und einfacher Bedienung punkten. Xiaomi versucht nicht, jede einzelne Funktion der Konkurrenz nachzubauen. Stattdessen konzentriert sich der Hersteller auf jene Bereiche, die viele Nutzer tatsächlich regelmäßig verwenden: Benachrichtigungen, Gesundheitsdaten, Sporttracking und lange Akkulaufzeit. Das bedeutet aber auch, dass die Uhr nicht jeden ansprechen wird. Wer dutzende Apps installieren oder eine vollständig offene Smartwatch-Plattform nutzen möchte, wird eher bei Wear-OS-Modellen landen. Mit Blick auf den Preis liefert Xiaomi dennoch eine beachtliche Smartwatch ab, die im Vergleich zum Vorgänger erwachsen geworden ist.