Wer das Zuhause regelmäßig aufräumt, sollte das auch digital tun. Denn auch auf Smartphone, Laptop oder in der Cloud sammelt sich über die Zeit jede Menge Ballast an. Alte Konten, schwache Passwörter, doppelte Fotos oder verschobene Updates können schnell zum Sicherheitsrisiko werden. Experten sprechen deshalb von "digitaler Hygiene". Gemeint sind einfache Routinen, die persönliche Daten besser schützen und gleichzeitig für mehr Ordnung sorgen sollen.
Die Gefahr im Netz ist längst Alltag geworden. Gehackte Konten, gestohlene Identitäten oder verlorene Daten treffen nicht mehr nur große Firmen, sondern ganz normale Nutzer. Oft reichen schon ein kaputtes Gerät, Schadsoftware oder ein gestohlenes Handy aus, damit Fotos, Dokumente oder Zugänge plötzlich verschwinden. Alina Gedde, Digital-Expertin bei Ergo, sagt dazu: "Mit Sicherheits-Routinen lässt sich das Risiko massiv senken."
Viele Menschen unterschätzen dabei vor allem ihre Passwörter. Laut Ergo verwenden 57 Prozent der Deutschen dasselbe Passwort für mehrere Konten. Genau das sehen Experten als großes Problem. Wird ein Zugang einmal geknackt, können Kriminelle oft sofort weitere Konten übernehmen. Besonders kritisch wird es bei E-Mail-Adressen, Online-Shops oder Bankzugängen.
Die Expertin empfiehlt deshalb, für jedes Konto ein eigenes Passwort zu nutzen. Wichtig sei außerdem die Länge. Gute Passwörter sollten mindestens 12 bis 16 Zeichen haben und Groß- und Kleinbuchstaben, Zahlen sowie Sonderzeichen kombinieren. Wer sich diese Daten nicht merken kann, sollte einen Passwortmanager verwenden. Dort lassen sich die Zugangsdaten sicher speichern.
Noch besser geschützt sind Nutzer mit einer zusätzlichen Sicherheitsabfrage. Die sogenannte Zwei-Faktor-Authentifizierung verlangt neben dem Passwort eine weitere Bestätigung, etwa per SMS, Fingerabdruck oder App. Selbst wenn das Passwort gestohlen wird, bleibt der Zugang damit meist geschützt.
Mindestens genauso wichtig sind regelmäßige Sicherungen der eigenen Daten. Viele bemerken erst nach einem technischen Defekt oder einem versehentlichen Löschen, wie wertvoll Fotos, Dokumente oder Kontakte tatsächlich sind. Experten empfehlen dafür die sogenannte "3-2-1-Regel". Dabei existieren drei Kopien der Daten auf zwei verschiedenen Speichermedien. Eine davon sollte zusätzlich an einem anderen Ort gespeichert werden.
Das klingt kompliziert, lässt sich laut Ergo aber relativ einfach umsetzen. Möglich sei etwa eine Kombination aus interner Festplatte, externer Festplatte und Cloud-Sicherung. "Im Ernstfall gelingt es auf diese Weise, schnell wieder produktiv zu sein, anstatt tagelang gestresst mit der Rettung der Daten beschäftigt zu sein", erklärt Gedde.
Neben der Sicherheit spielt auch Ordnung eine große Rolle. Auf vielen Geräten sammeln sich über Jahre hinweg tausende Fotos, doppelte Dateien oder alte Newsletter an. Das blockiert Speicherplatz und macht das System unübersichtlich. Experten raten deshalb zu regelmäßigen digitalen Aufräumaktionen. Alte Fotos sollten aussortiert oder archiviert werden, große E-Mails gelöscht und Ordner klar strukturiert bleiben.
Besonders wichtig sei außerdem das Löschen alter Online-Konten. Viele Menschen haben noch Zugänge bei längst vergessenen Diensten, Apps oder Shops. Genau diese Konten können laut Experten zum Problem werden, wenn alte Daten in falsche Hände geraten. "Je mehr Konten und Online-Präsenz, umso mehr potenzielle Einfallstore für Kriminelle", warnt die Digital-Expertin.
Auch Updates werden oft unterschätzt. Viele verschieben Aktualisierungen immer wieder, weil sie gerade keine Zeit haben oder das Gerät neu starten müssten. Dabei schließen Updates häufig genau jene Sicherheitslücken, die Hacker gezielt ausnutzen. Experten raten deshalb dazu, automatische Updates möglichst aktiviert zu lassen.
Zusätzlich lohnt sich ein Blick auf die Berechtigungen von Apps. Nicht jede Anwendung braucht Zugriff auf Kontakte, Kamera oder Standort. Gerade kostenlose Apps verlangen oft mehr Rechte als eigentlich notwendig wären. Nutzer sollten deshalb regelmäßig kontrollieren, welche Zugriffe wirklich sinnvoll sind.
Am Ende geht es laut Experten weniger um komplizierte Technik als um kleine Gewohnheiten im Alltag. Schon 30 Minuten pro Monat können helfen, Passwörter zu prüfen, Sicherungen zu kontrollieren und unnötige Daten zu entfernen. "Wer sich digitale Hygiene zur Gewohnheit macht, schützt sich vor vielen Risiken und hält das eigene digitale Leben übersichtlich", sagt Gedde.