Ein violetter Himmel, ein leuchtendes Matterhorn und nur wenige Worte: Ein Plakat aus dem Jahr 1908 steht im Mittelpunkt einer neuen Ausstellung in Zürich. Der Berner Künstler Emil Cardinaux gestaltete das Motiv damals für den Tourismusort Zermatt. Heute gilt es als erstes modernes Schweizer Plakat – und als Beispiel dafür, wie Werbung zur Kunst werden kann.
Das Werk ist Teil der Ausstellung "Highlights der Schweizer Plakatkunst" in der Villa Bührle. Insgesamt sind dort mehr als 100 Plakate zu sehen. Die meisten stammen aus der Zeit zwischen 1900 und den 1950er-Jahren. Sie werben für Schweizer Ferienorte, Verkehrsbetriebe und Konsumgüter. Ergänzt wird die Schau durch zeitgenössische Kulturplakate.
Cardinaux setzte bei seinem Zermatt-Plakat auf starke Farben und eine monumentale Darstellung des Berges. Das war für die damalige Zeit ungewöhnlich: Das Motiv war direkt gestaltet und kam mit nur vier Wörtern aus. Die Ausstellungsmacherin Beatrice Müller sieht darin einen Wendepunkt für die Gestaltung von Tourismusplakaten.
Der Maler gehörte zu den sogenannten Hodlerianern. Diese Künstler orientierten sich an der kräftigen Farbgebung und der großformatigen Bildsprache des Schweizer Malers Ferdinand Hodler. Cardinaux widmete sich vor allem der Landschaftsmalerei, besonders den Schweizer Bergen.
Die Ausstellung zeigt, wie unterschiedlich Plakate eingesetzt wurden. Neben bekannten Tourismusmotiven sind auch Werbeentwürfe für Konsumprodukte zu sehen. Darunter finden sich etwa ein Sonnenschutzmittel-Plakat und eine Zahnpasta-Werbung aus dem Jahr 1941. Auch ein Plakat für das Bahnhofbuffet Basel von Cuno Amiet aus dem Jahr 1921 ist Teil der Schau.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Gegenwart. Kulturplakate aus den vergangenen Jahrzehnten machen sichtbar, wie heutige Gestalter die Tradition der Schweizer Grafik weiterentwickeln. So spannt die Ausstellung einen Bogen über rund 120 Jahre Kunst- und Gestaltungsgeschichte.
Initiiert wurde die Schau von Beatrice Müller, die seit 2010 ihre Zürcher Galerie Artifiche ihrer Plakatsammlung widmet. Sie besitzt mehrere Tausend Exemplare und gründete für die Ausstellung den gemeinnützigen Verein Vipart. Die Schau ist bis zum 18. Oktober in der Villa Bührle an der Zollikerstraße 172 zu sehen. Der Eintritt ist frei.
Vor der Villa wartet zudem ein ungewöhnlicher Blickfang: Ein auffällig gestalteter BMW-Sportwagen aus einer Werkreihe des US-Künstlers Jeff Koons steht vor dem Gebäude. Das Auto wurde laut Ausstellungsmacherin von einem Plakatsammler aus der Zürcher Autobranche zur Verfügung gestellt.