Tierische Studie

Verblüffend! In jedem von uns steckt ein "Dr. Dolittle"

Menschen erkennen instinktiv, welche Tierlaute als attraktiv gelten – das zeigt eine Studie mit Paarungsrufen von Fröschen, Vögeln und Affen.
Heute Tierisch
23.03.2026, 07:56
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Wär es nicht spannend, wenn wir die Sprache der Tiere verstehen könnten – so wie der Mowgli im "Dschungelbuch"? Ganz so weit ist Logan James bisher nicht. Aber der Biologe von der Texas University hat im Bereich Tiersprachen schon einiges weitergebracht. Besonders die Paarungsrufe von Fröschen, Finken und anderen Tieren haben es ihm angetan. Da liegt es auf der Hand, dass man sich irgendwann fragt: Können wir Menschen überhaupt erkennen, welcher Frosch für die Weibchen besonders attraktiv klingt – und welcher nicht?

Genau das hat James in einem Experiment mit 4.000 Freiwilligen untersucht und die Ergebnisse jetzt im Fachblatt "Science" veröffentlicht. Das Online-Quiz "Calls of the Wild" dauert etwa fünf Minuten. Wer mitmachen will, kann das übrigens immer noch tun. Man gibt ein paar persönliche Dinge wie Alter, Ausbildung und musikalische Vorlieben an und dann geht’s schon los: Welcher Paarungsruf gefällt dir besser?

Im Quiz hört man verschiedene Tierlaute – von Zebrafinken über röhrende Hirsche bis hin zum fast schon digitalen Sound vom Baumfrosch "Dendropsophus ebraccatus".

Menschen erkennen, ob ein Frosch "sexy" ist

Können die Teilnehmer nachvollziehen, warum das erste Froschmännchen besser ankommt? Das Ergebnis: Ja, meistens schon. Nicht immer, aber oft genug, dass die Statistik eindeutig ist: Wir Menschen haben offenbar ein Gespür für die Schönheit von Paarungsrufen – oder zumindest für deren Qualität.

„So wie wir das Federkleid von Vögeln schön finden, obwohl diese Signale nicht für uns bestimmt sind, finden wir auch manche Paarungsrufe schöner als andere“
Logan James

Laut dem Experiment verstehen Menschen unter anderem die Rufe von Zebrafinken, Spatzen oder auch von Dscheladas – das ist eine Pavianart aus Äthiopien.

Auch der Ruf von "Dscheladas" wurde getestet.
APA-Images / CTK / Patrik Uhlir

Schon Charles Darwin hat vermutet, dass unser Sinn für das Schöne etwas ist, das uns mit den Tieren verbindet. Wir stammen schließlich gemeinsam ab, sind uns körperlich und geistig ähnlich – und teilen auch viele Gensequenzen (das wusste Darwin damals allerdings noch nicht). So viel zur Geschichte. Es gibt aber ein kleines Problem: Laut James’ Experimenten sind die Übereinstimmungen bei der pazifischen Feldgrille am größten. Und das ist von allen getesteten Arten die, die mit dem Menschen am wenigsten verwandt ist.

Die unterschiedlichen Rufe der Feldgrille erkennen Menschen am Besten.
APA-Images / ANP KINA / Kina natuur (www.kina.nl)

Eigentlich hätte man sich da das Gegenteil erwartet, gibt Logan James zu. Andererseits ist bei den Grillen der Unterschied zwischen guten und weniger guten Paarungsrufen besonders auffällig. Als Nächstes plant der Biologe herauszufinden, ob vielleicht auch Tiere die Schönheit menschlicher Stimmen erkennen können.

{title && {title} } red, {title && {title} } 23.03.2026, 07:56
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