Die Empfehlung der Heereskommission ist eindeutig: der Grundwehrdienst sollte schnellstens von derzeit sechs auf acht Monate plus zwei Monate Milizübungen über die folgenden zehn Jahre verlängert werden.
Generalstabschef Rudolf Striedinger unterstützt dieses 8+2 Modell "absolut", acht Monate Wehrdienst seien "auf jeden Fall" erforderlich und alternativlos. "In der modernen Kriegsführung müssen alle unsere Kräfte hochmobil sein. Darauf müssen sie vorbereitet werden und in der Truppe üben: Diese Ausbildung findet im siebenten und achten Monat statt", erklärt er im Interview mit "Die Presse".
Spekulationen über einen politischen Kompromiss auf ein 6+2 Modell will der Offizier nicht kommentieren, stellt aber klar, dass das völlig unzureichend wäre. "Man müsste [die Soldaten] nach einer Mobilmachung wieder zwei Monate ausbilden. Und in der Regel geht man schon davon aus, dass Soldaten einsatzbereit sind, wenn sie mobilgemacht werden."
Eine zügige Wehrdienstreform mit 1. Jänner 2027, wie sie die Kommission fordert, geht sich allerdings nur aus, wenn es spätestens Ende März eine Grundsatzentscheidung der Regierung gibt, hält Striedinger fest. Das Bundesheer brauche etwa neun Monate Vorlaufzeit für die Umstellung.
Dem hat Bundeskanzler Christian Stocker mit seiner Ankündigung einer Volksbefragung einen Knüppel zwischen die Füße geworfen. Schnell geht da gar nichts. Der Regierungschef will erst eine parlamentarische Debatte führen und dann auf deren Basis die konkrete Fragestellung ausarbeiten. Im Herbst, so sein Plan, könnte das Volk dann antworten.
Für Sicherheitsexperte Franz-Stefan Gady ist klar: Die Verzögerung durch eine solche Volksbefragung gefährdet den Zeitplan des Aufbauplans 2032.
"Zeit, die wir möglicherweise nicht haben werden, sollte es im kommenden Jahrzehnt zu einem militärischen Konflikt zwischen der NATO und Russland kommen, in dem auch Österreich Ziel von Angriffen sein könnte", warnt der Steirer. Die Heereskommission selbst habe sich schon ein halbes Jahr mit dem Problem befasst, ihr Ergebnis solle ernst genommen werden.
Denn werde es nicht schnellstens umgesetzt, verliere einen ganzen Jahrgang und rund ein Zehntel seiner Führungskräfte. Das würde die Verteidigungsfähigkeit faktisch in Richtung 2040 verschieben.
Kommt es früher zum Ernstfall, würden unsere Soldaten unzureichend vorbereitet und noch dazu in geringerer Zahl verfügbar sein, mahnt der Fachmann eindringlich: "Ausfälle sowie länger andauernde Einsätze mit hoher Intensität (über vier Monate) könnten personell nicht ersetzt werden. Eine Rotation der Kräfte wäre nicht möglich. Die Zahl der Opfer unter Soldat:innen und Zivilist:innen würde [...] entsprechend steigen."
Sein Fazit ist erschütternd: "Sollte in den nächsten zehn Jahren ein Konflikt ausbrechen und sollte eines Tages ein Buch darüber geschrieben werden, warum Österreich so viele Opfer zu beklagen hatte und nicht vorbereitet war, dann wird ein Unterkapitel den Titel tragen: 'Die Volksbefragung zur Wehrpflicht 2026'."