"Geschenk" einer endenden Ära

Experte über Neutralität: Österreich "nahezu schutzlos"

Franz-Stefan Gady plädiert auf militärische Zusammenarbeit mit anderen EU-Ländern. Österreichs Neutralität hält er für ein Relikt einer endenden Ära.
Newsdesk Heute
21.01.2026, 18:40
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Donald Trump hat im Alleingang die transatlantischen Beziehungen in die größte Krise seit 1956 gestürzt. Er möchte sich Grönland, Teil des NATO- und EU-Mitglieds Dänemark, unbedingt selbst einverleiben. Allen, die sich dagegen stellen, droht der US-Präsident inzwischen offen mit wirtschaftlichen und militärischen Konsequenzen.

Für Europa ist diese Situation brandgefährlich, warnt Politikberater und Militäranalyst Franz-Stefan Gady (43) am Dienstag. "Das Absurde daran: Die jetzige Grönland-Krise ist fabriziert, unnötig, und einzig und allein Donald Trump ist dafür verantwortlich."

Die Auswirkungen sind schon jetzt sichtbar. Die Grundlagen der westliche Sicherheitsarchitektur drohen zu zersplittern. Die Glaubwürdigkeit der NATO-Beistandspflicht, etwa gegenüber Russland, ist "fundamental erschüttert", sagt Gady.

Würde USA im Ernstfall noch helfen?

Mittlerweile sei gänzlich unvorhersehbar, ob die USA im Ernstfall wirklich Artikel 5 Folge leisten und etwa Polen oder den baltischen Staaten gegen einen russischen Angriff verteidigen würden. Damit sind auch alle Sicherheitsgarantien, die die Amerikaner der Ukraine geben könnten, beinahe wertlos geworden.

Doch Europa auf eigene Beine zu stellen, ist kein einfaches Unterfangen. Nachrichtendienstlich und militärisch gibt es (noch) keine Alternative zu den Fähigkeiten der Vereinigten Staaten. "In beiden Feldern werden wir auch noch Jahre zu schwach bleiben", schreibt der Experte in einem Gastkommentar in der "Kleinen Zeitung".

Europa ist nicht wehrlos

Was also tun? Die US-Regierung hält Europa insgesamt für schwach und ist überzeugt, dass es klein beigeben wird. Deswegen müsse der Alte Kontinent nun Stärke beweisen, betont Gady: "Es geht vor allem darum, diesen Eindruck zu ändern. Hier muss Trump Paroli geboten werden". Nicht militärisch, sondern wirtschaftlich.

So könnten die europäischen Staaten ihre Finanzkraft in gemeinsamen Anleihen bündeln und so die eigene Wirtschaft stabilisieren, sowie die Dollar-Dominanz im internationalen Handel reduzieren. Auch der Einsatz der Handels-"Bazooka" – massive Zölle und Handelsbeschränkungen gegen US-Produkte – sei eine Möglichkeit. Diese würde zwar beiden Seiten schaden, aber zeigen, dass Europa nicht völlig wehrlos ist.

Gleichzeitig müsse Europa militärisch nachrüsten und von den Vereinigten Staaten unabhängiger werden, sagt der 43-Jährige. Deutschland, Frankreich, Polen, Großbritannien müssten die Rolle der USA innerhalb der NATO und ihre Schlüsselkompetenzen (Flugabwehr, Führungsfähigkeit) übernehmen. "Das geschieht bereits langsam, aber stetig", weiß Gady.

Er betont: "Gleichzeitig geht es vor allem um den politischen Willen, aus dem Windschatten der Amerikaner bei sicherheitspolitischen Fragen zu treten". Eine Übung, die vor allem für Deutschland sehr schwer werde.

Neutralität kein Schutz

Auch Österreich müsse in dieser neuen Sicherheitslage einen Beitrag leisten, schärft der gebürtige Südsteirer nach: "Die Neutralität war ein Geschenk der globalen liberalen Weltordnung, angeführt durch Amerika. Diese Ära neigt sich dem Ende zu."

Er ist überzeugt, dass sich unsere Alpenrepublik auch militärisch an unsere Nachbarländer anbinden sollte. "Die Alternative wäre, in einer zunehmend gefährlichen Welt nahezu schutzlos dazustehen."

{title && {title} } red, {title && {title} } 21.01.2026, 18:40
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