Spott über "Temu-Panzer"

Militärs entsetzt: Chinas Kampfpanzer VT-4 ist Schrott

Er hätte Chinas Rüstungsindustrie auf dieselbe Ebene wie die USA heben sollen – doch Thailands Armee ist über die Mängel des VT-4 entsetzt.
Nick Wolfinger
13.01.2026, 13:07
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Dieser Panzer ist ein Rohrkrepierer – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Thailand, das 100 Stück von Chinas modernstem Kampfpanzer VT-4 bestellte, berichtet über schwere Mängel bei Kampfeinsätzen. Bei einem Vorfall soll sogar das Kanonenrohr eines der Panzer explodiert sein. Das berichtet das Militärmagazin Defence Blog jetzt in einem ausführlichen "Testbericht", der sich auf Angaben der thailändischen Armee stützt.

China will Rüstungs-Großmacht werden

Kurz zum Hintegrund: Die aufstrebende Weltmacht China hat in vielen Bereichen, wirtschaftlich und technologisch, längst mit dem Westen gleichgezogen – und teilweise sogar die Vormachtstellung erreicht, etwa bei humanoiden Robotern. Doch in dem für eine Weltmacht womöglich wichtigsten Bereich hinkt China noch immer hinten nach: In der Rüstungsindustrie.

Denn wenn es um Kampfflugzeuge, Panzer und andere hochtechnologische Kriegsgeräte geht, scheint China noch nicht ganz mithalten zu können. Wie groß der Abstand zur Weltspitze ist zeigt nun ein Erfahrungsbericht aus Thailand auf eindrucksvolle Weise. Dort versagten die Kampfpanzer bei Gefechten im Grenzgebiet derart dramatisch, dass man nun lieber wieder auf alte US- und Sowjet-Panzer zurückgreift, weil sie im Ernstfall verlässlicher sind.

Kampfpanzer als Prestigeprojekt

Schon 2012 präsentierte die China North Industries Corporation (Norinco) den ersten VT-4 auf der Rüstungsmesse Eurosatory in Paris. Die präsentierten Testergebnisse waren vielversprechend. Mehrere Länder zeigten Interesse. Schließlich wäre der Panzer aus China nicht nur eine billigere Alternative, er würde auch die Abhängigkeit von europäischen und US-Rüstungskonzernen verringern.

2018 bestellte Thailand 28 Stück des Panzers, kurz darauf noch 10 weitere. Sie sollten die alten Panzerbestände aus amerikanischen M60-Panzern und ukrainischer T-84BM Oplot-T ersetzen. Beides Veteranen aus der Zeit des Kalten Kriegs. Doch bei Gefechten an der Grenze zu Kambodscha im Vorjahr zeigten sich rasch die Schwächen des High-Tech-Produkts.

Lange Liste an Mängeln

Wie Defence Blog in Bezug auf Berichte des thailändischen Militärs dokumentiert hat, machen den Militärs vor allem folgende Punkte zu schaffen:

Mängel des VT-4 laut thailändischer Armee:

■ Elektronik und Motor fallen häufig aus oder funktionieren unzuverlässig

■ Rascher Verschleiß der 125‑mm‑Glattrohrkanone bei Einsatz unter realen Bedinungen

■ Seitenpanzerung nicht ausreichend für moderne Gefechtsfelder

■ Drehgeschwindigkeit des Geschützturmes ist zu langsam – niedrige "Hunter-Killer"-Rate, also wie rasch verschiedene Ziele nacheinander bekämpft werden können

■ Bei einem Kampfeinsatz explodierte das Geschützrohr eines der Panzer

Vom Vorfall mit dem explodierten Geschützrohr kursieren sogar Bilder im Internet (siehe eingebetteter Tweet unter diesem Absatz). Dort wird der Panzer mitunter als "Temu-Panzer" verspottet. Zwar gebe es mit der waffenstabilisierten Feuerkontrolle, der Sensorik mit Wärmebildkameras und vollautomatischem Nebelwerfer auch Pluspunkte, betont die thailändische Armee, doch insgesamt würden diese Vorteile durch die Unzuverlässigkeit unter Gefechtsbedingungen aufgehoben. Der VT-4 sei im jetzigen Zustand nicht einsatzbereit, heißt es.

Blamage bei Vorführung

Auch Nigeria dürfte mit dem VT-4 ähnliche Probleme haben. Die Armee setzt die Panzer im Kampf gegen Boko Haram ein – bei einer Übung versagte dabei ausgerechnet das Hauptgeschütz und ließ sich nicht abfeuern.

Besonders peinlich wurde es für China selbst: Bei einer Vorführung auf der renommierten Zhuhai Airshow fiel einem VT-4 vor den Augen des Publikums plötzlich eine vordere Laufrolle ab. Die Airshow gilt als internationales Aushängeschild der chinesischen Rüstungsindustrie.

Rückkehr zu Altbeständen

Im Gegensatz dazu schneiden ältere Panzer im thailändischen Heer deutlich besser ab. Soldaten loben besonders den in der Ukraine gebauten Oplot-T sowie die US-Modelle M48A5PI und M60A3 Patton. Trotz ihres Alters gelten sie als verlässlich und robust – sowohl im Einsatz als auch im täglichen Betrieb. Vor allem die Patton-Serie wird von vielen als mechanisch stabil beschrieben, mit deutlich weniger unerwarteten Ausfällen bei längeren Missionen.

Einige Offiziere sprechen sich daher intern dafür aus, bei heiklen Aufgaben lieber auf bewährte Einheiten mit Oplot- oder Patton-Panzern zu setzen. Die seien leichter zu warten und funktionierten schlicht zuverlässiger, berichten Insider.

{title && {title} } NW, {title && {title} } Akt. 13.01.2026, 14:40, 13.01.2026, 13:07
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