Der Coup dauerte offenbar nur wenige Augenblicke: Am 27. August betraten zwei Männer gegen 14 Uhr das Museum für angewandte Kunst (MAK) am Stubenring als ganz normale Besucher. Ihr Ziel dürfte jedoch von Anfang an festgestanden haben.
In der Ausstellung "Glanzstücke" schlugen die Täter mit einem Hammer eine Vitrine ein und schnappten sich eines der spektakulärsten Exponate: das 1939 von Van Cleef & Arpels gefertigte Diamantcollier der ägyptischen Königin Nazli. Danach flüchteten sie aus dem Museum. Die Polizei fahndet weiterhin nach den Verdächtigen.
Die Beute ist außergewöhnlich: Das Collier besteht aus Platin und ist mit 673 Diamanten mit insgesamt rund 200 Karat besetzt. Königin Nazli trug das Schmuckstück 1939 bei der Hochzeit ihrer Tochter Fawzia mit dem späteren iranischen Schah Mohammad Reza Pahlavi. 2015 wechselte das Collier bei Sotheby's in New York für 4,3 Millionen Dollar den Besitzer.
Besonders brisant: Der Coup geschah während des regulären Museumsbetriebs. Die beiden Täter sollen sich zunächst unauffällig verhalten haben, bevor sie zuschlugen. Überwachungskameras zeichneten sie auf, die Ermittler sicherten nach der Tat Spuren und werteten auch Kameras aus der Umgebung aus.
Der spektakuläre Fall wirft zwangsläufig die Frage auf, wie gut die millionenschweren – teilweise sogar unschätzbaren – Kunstschätze in anderen Wiener Museen geschützt sind. "Heute" fragte beim Kunsthistorischen Museum, der Albertina und dem Belvedere nach.
Gerade im Kunsthistorischen Museum (KHM) ist das Thema heikel. Dort befindet sich mit Benvenuto Cellinis berühmter "Saliera" jenes Kunstwerk, das 2003 selbst Ziel eines spektakulären Diebstahls wurde. Das goldene Salzfass aus dem 16. Jahrhundert wurde damals aus dem Museum gestohlen und erst Jahre später wiedergefunden. Heute ist die "Saliera", die einzige erhaltene Goldschmiedearbeit Cellinis, wieder in der Kunstkammer zu sehen.
Daneben beherbergt das KHM Kunstschätze von internationalem Rang. Besonders berühmt ist die weltweit größte Sammlung von Werken Pieter Bruegels des Älteren – darunter "Der Turmbau zu Babel", "Die Bauernhochzeit" und "Die Jäger im Schnee".
Nach dem MAK-Coup schaut man sich die eigene Sicherheitslage nun noch einmal genau an. "Sicherheit in Museen beruht grundsätzlich auf einem Zusammenspiel technischer, organisatorischer und personeller Maßnahmen", erklärt die Pressestelle des KHM gegenüber "Heute".
Der Schutz von Menschen habe in Gewaltsituationen höchste Priorität. Die Sicherheitskonzepte würden laufend evaluiert und an aktuelle Entwicklungen angepasst. Und der Coup im MAK bleibt dabei nicht ohne Folgen: "Auch die jüngsten Vorfälle im Museumsbereich nehmen wir zum Anlass, bestehende Maßnahmen erneut zu überprüfen."
Details zu Alarmierungswegen, Schutzsystemen oder möglichen Verschärfungen will das KHM aus nachvollziehbaren Gründen nicht verraten. Die jüngsten Ereignisse würden aber ebenso berücksichtigt wie Gespräche auf Ebene der Bundesmuseen.
Nur wenige Gehminuten entfernt lagern weitere weltberühmte Kunstschätze. Die grafische Sammlung der Albertina umfasst mehr als eine Million Zeichnungen und Druckgrafiken – von Michelangelo und Albrecht Dürer über Rembrandt und Rubens bis zu Klimt, Schiele und Picasso. Zu den berühmtesten Werken zählt Dürers "Feldhase" von 1502. Aufgrund ihrer Lichtempfindlichkeit können viele dieser Arbeiten allerdings nicht dauerhaft gezeigt werden.
In der permanenten Schausammlung "Monet bis Picasso" sind außerdem Werke der klassischen Moderne zu sehen – darunter Claude Monets "Der Seerosenteich", Pablo Picassos "Frau mit grünem Hut" und Arbeiten von Degas, Cézanne, Chagall oder Matisse.
Auch hier hält man sich bei Details zum Schutz der Meisterwerke bedeckt. "Aus Sicherheitsgründen können wir keine detaillierten Auskünfte zu unseren umfangreichen Maßnahmen zur Sicherung der an den Standorten der Albertina ausgestellten Kunstwerke machen", heißt es auf "Heute"-Anfrage.
Die Sicherheitsvorkehrungen seien "auf allerneuestem Stand", würden regelmäßig evaluiert und entsprechend angepasst. Vor jeder Ausstellungseröffnung würden die Bedingungen zudem bei einer eigenen Sicherheitsbegehung geprüft und gegebenenfalls verschärft. Dabei würden auch spezielle Vorgaben von Leihgebern berücksichtigt.
Millionenschwere Kunst hängt auch im Oberen Belvedere. Das wohl berühmteste Stück ist Gustav Klimts "Der Kuss" aus den Jahren 1908/09. Das Belvedere besitzt nach eigenen Angaben die weltweit größte Sammlung von Klimt-Gemälden. Zu den weiteren Highlights gehören Werke von Egon Schiele, Ferdinand Georg Waldmüller, Franz Xaver Messerschmidt sowie internationale Arbeiten von Claude Monet, Vincent van Gogh und Auguste Rodin.
Auch dort verfolgt man den MAK-Fall genau. "Das Belvedere verfügt über umfassende Sicherheitskonzepte, die laufend überprüft und weiterentwickelt werden", erklärt die Pressestelle gegenüber "Heute".
Vorfälle in anderen Museen würden genau analysiert: "Aktuelle Vorfälle in anderen Museen analysieren wir sorgfältig und passen unsere Vorkehrungen bei Bedarf an." Was konkret geändert oder verschärft wird, bleibt allerdings geheim. "Zum Schutz der Kunstwerke geben wir jedoch keine Auskunft zu konkreten bestehenden oder geplanten Sicherheitsmaßnahmen."