Freude und Kritik

Millionen-Deal! Tulln kauft Stadtoase um 3,24 Mio. Euro

Das Areal, in dem auch eine H&M-Filiale eingemietet ist, gehört künftig der Stadt. Erhofft wird eine weitere Belebung der City, die FP übt Kritik.
Erich Wessely
23.09.2025, 05:15
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Nach und nach arbeite die Stadt Tulln daran, die Innenstadt als belebtes Zentrum zu erhalten: Die attraktive Gestaltung des Hauptplatzes, das innerstädtische Einkaufszentrum Rosenarcade, die Stadtoase samt Stadtsaal, Begrünungsmaßnahmen, zahlreiche Märkte, Geschäfte und Cafés tragen dazu bei, dass Tullns Zentrum "gut und gern besucht wird", heißt es in einer Aussendung der Stadtgemeinde.

Während in anderen Städten die Ortskerne aussterben, schlage das Herz Tullns stärker als je zuvor. Nicht umsonst werde Tulln in vielen Teilen Österreich als Positiv-Beispiel für gelungene Zentrumsbelebung genannt.

Der Eingang des H&M am Hauptplatz
Stadtgemeinde Tulln

Vor elf Jahren zog H&M ein

Vor elf Jahren ist es der Stadt auch gelungen, die Modekette H&M in die Innenstadt zu bringen, die eine Filiale im Stadtoasen-Objekt eröffnete. Und ebendieses Areal mit einer Nutzfläche von knapp 2.000 Quadratmetern, mitten in bester Zentrumslage, stand nun zum Verkauf.

"Das ist eine Chance, die wir für die weitere Entwicklung unserer Stadt unbedingt nutzen müssen", erklärt Geschäftsführer Viktor Geyrhofer von der TLG, der Tullner Liegenschafts-GmbH, ein Tochterunternehmen der Stadtgemeinde. "Der Kaufpreis beträgt 3,24 Millionen Euro, also rund 1.700 Euro pro Quadratmeter, was an sich schon sehr günstig ist." Hinzu komme, dass das Mietverhältnis mit H&M aufrecht bleibt und entsprechende Einnahmen garantiere. Der Ankauf sei im Detail durchkalkuliert worden: "Die Brutto-Mieteinnahmen von jährlich rund 270.000 Euro reduzieren den Kaufpreis auf de facto 690 Euro pro Quadratmeter", heißt es in der Aussendung der Stadt.

TLG-Geschäftsführer Viktor Geyrhofer
Stadtgemeinde Tulln

"Wäre betriebswirtschaftliche Fehlentscheidung"

"Es wäre eine betriebswirtschaftliche Fehlentscheidung größten Ausmaßes, wenn Tulln und die TLG bei so einem niedrigen Preis bei einer Immobilie am Hauptplatz nicht zugreifen würde. Es wäre verantwortungslose Inkompetenz", ist Bürgermeister Peter Eisenschenk (VP) überzeugt, "wir haben hart daran gearbeitet, unser Zentrum zu beleben und es zum Wohlfühl-Wohnzimmer für uns alle zu gestalten. Wenn wir das, was wir miteinander erreicht haben, absichern wollen, müssen wir dranbleiben, aber vor allem dürfen wir Chancen für die weitere Entwicklung unserer Innenstadt nicht aus unseren Händen geben."

Wichtig sei, dass die Stadt Tulln selbst entscheiden könne, was mit dem Areal direkt im Zentrum passiert – und nicht irgendwelche Investoren, denen es möglicherweise nur um den kurzfristigen Profit gehe.

Bürgermeister Peter Eisenschenk (ÖVP)
Daniel Zangerl

Eine Empfehlung für den Kauf gibt es auch vom renommierten Innenstadt-Experten Roland Murauer (CIMA Beratung + Management GmbH). Er spricht in diesem Zusammenhang von einer "Top-Immobilie, die Potenzial für verschiedene Nutzungsarten bietet". Das bedeutet: Selbst wenn H&M eines Tages als Mieter abspringen sollte, gebe es für diese Fläche nicht nur andere Miet-Interessenten, sondern auch eine ganze Reihe unterschiedlicher Entwicklungsmöglichkeiten.

"Völlig unverständlich"

Ganz anders sehen den Schritt die Freiheitlichen: Für den Chef der Tullner FP Andreas Bors ist der geplante Ankauf des Stadtoasen-Objekts durch die Stadtgemeinde Tulln "völlig unverständlich". In der kommenden Gemeinderatssitzung soll der Beschluss über den Kauf um mehr als 3,2 Millionen Euro gefasst werden.

"Während Bürgermeister Eisenschenk seit Monaten von Sparmaßnahmen spricht, die Stadtgemeinde mit über 60 Millionen Euro ohnehin schwer verschuldet ist und wir jedes Jahr bereits neue Darlehen für notwendige Investitionen aufnehmen müssen, soll nun plötzlich eine Immobilie um mehrere Millionen gekauft werden. Das passt nicht zusammen", ärgert sich der Landtagsabgeordnete und Stadtrat.

Andreas Bors (FPÖ) kritisiert den Immo-Deal.
privat

Die Bevölkerung sei erst vor kurzem mit einer massiven Gebührenerhöhung belastet worden – etwa mit einer Erhöhung der Kanalgebühren um mehr als 60 Prozent. Während die Bürger also tief in die Tasche greifen müssten, gönne sich die Stadt fragwürdige Millionenspielereien. Besonders befremdlich sei dabei, dass "die Immobilie ausgerechnet von einem langjährigen Freund des Bürgermeisters angekauft werden soll. Ein Umstand, der zumindest einen schalen Beigeschmack hinterlässt", heißt es in einer Aussendung.

"Fordern verantwortungsvollen Umgang mit Geld"

Der Ankauf müsste erneut über teure Kredite finanziert werden, was die Zinslast der Gemeinde zusätzlich verschärfe. "Wir reden hier von mehreren hunderttausend Euro an Zinsen, die in den kommenden Jahren zusätzlich auf die Steuerzahler zukommen. Die FPÖ wird diesem Ankauf daher nicht zustimmen. Statt neuer Millionenschulden fordern wir endlich einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Geld der Tullner", so Bors abschließend.

{title && {title} } wes, {title && {title} } Akt. 24.09.2025, 16:43, 23.09.2025, 05:15
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