Eine Millionenpleite erschüttert die heimische Wirtschaft. Die Christof Industries Austria GmbH mit Sitz in Graz hat beim Landesgericht für Zivilrechtssachen Graz ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Das Insolvenzverfahren wurde Freitagvormittag vom Gericht eröffnet, so Informationen des Alpenländischen Kreditorenverbands.
Die Dimension ist gewaltig: Laut Insolvenzantrag stehen Verbindlichkeiten von 62,595 Millionen Euro zu Buche. Insgesamt sind derzeit 454 Gläubiger erfasst. Besonders brisant: Auch 180 Mitarbeiter sind von der Insolvenz betroffen.
Löhne und Gehälter wurden laut Antrag bis einschließlich Juli 2026 bezahlt. Beim Urlaubsgeld wurden bisher 50 Prozent ausbezahlt.
Christof Industries Austria gehört zur Christof Industries-Unternehmensgruppe und ist im Maschinen- und Anlagenbau tätig. Das Unternehmen arbeitet für die internationale Industrie und Energiewirtschaft und bietet Leistungen über den gesamten Lebenszyklus von Industrieanlagen an.
Die Vermögenslage zeigt, wie angespannt die Situation ist. Die vorhandenen Aktiva haben laut Antrag zwar einen Buchwert von rund 52,1 Millionen Euro. Zu Liquidationswerten werden sie allerdings nur noch mit rund 6,96 Millionen Euro bewertet.
Das Unternehmen bezeichnet sich als rechnerisch überschuldet. Trotzdem soll der Betrieb weitergeführt und saniert werden.
Den Gläubigern soll dafür ein Sanierungsplan angeboten werden. Vorgesehen ist eine Quote von 20 Prozent der angemeldeten Forderungen, die innerhalb von 24 Monaten nach Annahme und rechtskräftiger Bestätigung des Sanierungsplans bezahlt werden soll.
Für Christof Industries Austria ist es nicht die erste schwere finanzielle Krise. Bereits 2022 war ein Insolvenzverfahren notwendig. Damals wurde ein Treuhandsanierungsplan angenommen. Die vereinbarte Quote von 20 Prozent wurde vollständig erfüllt und das Verfahren schließlich aufgehoben.
Im Zuge dieser Sanierung wurden einzelne Unternehmensbereiche geschlossen und der Mitarbeiterstand reduziert. Dennoch geriet das Unternehmen nun erneut in finanzielle Schwierigkeiten.
Als Gründe nennt Christof Industries mehrere Belastungen der vergangenen Jahre. Dazu zählen die Folgen der Corona-Pandemie, massive Probleme bei der Abwicklung von Projekten, die Auswirkungen des Russland-Ukraine-Konflikts, stark gestiegene Energiepreise sowie Kostenüberschreitungen bei Großprojekten.
Nach Abschluss des früheren Sanierungsverfahrens sei es außerdem nicht gelungen, eine ausreichende Finanzierung durch Banken zu bekommen.
Zusätzlich belastete ein Schiedsverfahren in London das Unternehmen. Ende August 2026 fiel dort eine Entscheidung, die laut Antragsteller überraschend nur zu einem Bruchteil zugunsten des Unternehmens ausging. Das habe schließlich zu einem erheblichen Liquiditätsengpass geführt.
Alleiniger Eigentümer der Christof Industries Austria GmbH ist die FMT Industrieholding GmbH. Geschäftsführer sind Johann Christof und Wolfgang Körner.