"Wir sind wieder daheim." Mit diesen Worten feierte Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), bereits am 9. September die Rückkehr in den Wiener Stadttempel in der Seitenstettengasse (Wien-Innere Stadt).
Nach zehneinhalb Monaten Bauzeit ist die größte Synagoge Österreichs nun wieder geöffnet. Am Mittwoch (16.9.) folgte der große Festakt zum 200-jährigen Bestehen und zur umfassenden Restaurierung. Hochrangige Vertreter der Staatsspitze, darunter Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) und Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ), machten ihre Aufwartung.
Die Arbeiten wurden nach Angaben der IKG innerhalb der geplanten zehneinhalb Monate abgeschlossen. Insgesamt kostet die Restaurierung und Sanierung 10,5 Millionen Euro. Je ein Drittel übernehmen der Bund, die Stadt Wien und hunderte, private Spender aus dem In- und Ausland. "Der Stadttempel war geschlossen, unser Gemeindeleben war es nie", betonte Deutsch.
Bei den Arbeiten wurden unter anderem Sicherheits- und Brandschutzbereiche erneuert. Zudem wurde die Synagoge barrierefrei gemacht und die Eingangsbereiche wurden neu organisiert. Bei der Sanierung kamen auch Details aus der Vergangenheit wieder zum Vorschein. Unter der Bima, dem erhöhten Pult, von dem aus der Tora gelesen wird, wurde ein Boden aus Budapester Marmor freigelegt.
Die Bima selbst sowie weitere Oberflächen wurden originalgetreu adaptiert. Damit sollte der historische Charakter des 200 Jahre alten Gotteshauses trotz der notwendigen Modernisierung erhalten bleiben. Der Stadttempel ist heute das spirituelle Zentrum der jüdischen Gemeinde in Wien – und besitzt eine besondere historische Bedeutung.
Der Stadttempel ist die einzige Wiener Synagoge, die die Novemberpogrome 1938 überstanden hat und bis heute durchgehend genutzt wird. "Als einzige noch aktive Synagoge, die die Schoa überstanden hat, ist die Restaurierung symbolisch eine Investition in die Zukunft und das jüdische Leben in Wien und Österreich", meint Oberrabbiner Jaron Engelmayer.
Dass die Wiedereröffnung gerade in diesem Jahr erfolgt, hat zusätzliche Symbolkraft: Der Stadttempel feiert sein 200-jähriges Bestehen. Auch die Österreichische Post würdigt den 200. Geburtstag. Eine eigene Sonderbriefmarke zeigt den Innenraum des renovierten Stadttempels. Sie kostet zwei Euro und erscheint in einer Auflage von 150.000 Stück.
Mit dem Festakt sind die Arbeiten rund um das historische Gebäude allerdings noch nicht vollständig beendet. In weiteren Bauphasen sollen auch das Gemeindezentrum und die Fassade saniert werden. Für Besucher öffnet sich der Stadttempel ebenfalls wieder stärker: Ab Winter 2026 sollen Führungen durch die historische Synagoge angeboten werden.