Ein spektakulärer Schlag gegen den Zigarettenschmuggel ist den italienischen Behörden gelungen. In der Region Friaul-Julisch Venetien wurde eine riesige illegale Zigarettenfabrik entdeckt, die kurz vor ihrer Verlagerung gestanden haben soll.
Die Finanzpolizei Guardia di Finanza spürte die Anlage in der Gemeinde Spilimbergo. Nach Angaben der Ermittler erstreckte sich die Fabrik über eine Fläche von rund 9.000 Quadratmetern.
Entscheidende Hinweise ergaben sich in der Nacht vom 27. auf den 28. Mai. Die Ermittler beobachteten einen Sattelschlepper, der eine verdächtige Lagerhalle ansteuerte und Stunden später wieder verließ. Als das Fahrzeug anschließend in Richtung Österreich unterwegs war, stoppten die Beamten den Lkw und kontrollierten die Ladung.
In der Halle stießen die Ermittler nach eigenen Angaben auf eine der größten jemals in Italien entdeckten illegalen Zigarettenfabriken. Sechs Personen waren gerade dabei, die Anlage abzubauen.
Sichergestellt wurden unter anderem 78 Tonnen gerollter Tabak sowie 25 Millionen Verpackungen mit gefälschten Marken bekannter Zigarettenhersteller. Zudem fanden die Beamten zwei komplette Produktionslinien sowie zwei leistungsstarke Dieselgeneratoren, mit denen die Fabrik unabhängig vom öffentlichen Stromnetz betrieben werden konnte.
Nach Angaben der Ermittler verfügte die Anlage über einen eigenen Kontrollraum mit zahlreichen Überwachungskameras. Als die Beamten eintrafen, sollen sich die Verdächtigen im Gebäude verbarrikadiert haben, um Zeit zu gewinnen und Mobiltelefone zu zerstören.
Festgenommen wurden sechs ukrainische Staatsbürger sowie ein moldauischer Lkw-Fahrer. Ihnen wird die Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung zum Schmuggel von Tabakwaren vorgeworfen. Der zuständige Untersuchungsrichter in Pordenone bestätigte die Festnahmen und ordnete Untersuchungshaft an.
Der wirtschaftliche Schaden für die mutmaßliche Organisation ist laut Behörden beträchtlich. Aus dem beschlagnahmten Tabak hätten rund 3,9 Millionen Packungen Zigaretten hergestellt werden können. Der mögliche Gewinn wird auf etwa 20 Millionen Euro geschätzt.
Die Produktionskapazität der Fabrik dürfte noch deutlich höher gewesen sein. Nach Einschätzung der Ermittler hätte die Anlage zwischen zwei und fünf Millionen Zigaretten pro Tag herstellen können. Dafür sprechen unter anderem 48 Millionen sichergestellte Filter, die großen Tabakmengen sowie 42 Betten und Aufenthaltsräume für die Beschäftigten im Obergeschoss.
Die Guardia di Finanza betonte, dass die beschlagnahmten Zigaretten auch ein Gesundheitsrisiko dargestellt hätten. Die verwendeten Rohstoffe, Filter, Papiere und Klebstoffe seien nicht überprüfbar gewesen und hätten die vorgeschriebenen Gesundheitskontrollen nicht durchlaufen.