Im beschaulichen Minenstädtchen Swartruggens im Nordwesten Südafrikas stehen derzeit fünf mexikanische Staatsangehörige vor Gericht. Ihnen wird unter anderem die Herstellung von Drogen, der illegale Besitz von Gefahrstoffen und Verstöße gegen das Einwanderungsgesetz vorgeworfen.
Die Festnahmen erfolgten nach einer groß angelegten Polizeirazzia auf einer abgelegenen Farm. Dort stießen die Ermittler auf ein riesiges Methamphetamin-Labor mit einem geschätzten Wert von rund einer Milliarde Rand (etwa 60 Millionen US-Dollar).
Es handelt sich bei diesem Fall um eines von mehreren Beispielen für eine neue Vorgehensweise mexikanischer Kartelle in Südafrika. Innerhalb von zwei Jahren wurden insgesamt vier große Meth-Labore mit Verbindungen zu mexikanischen Netzwerken entdeckt.
Die Labore befinden sich stets auf abgelegenen Höfen, weit entfernt von Städten und damit abgeschieden genug, um unentdeckt zu bleiben. Experten sehen darin einen Strategiewechsel: Statt Methamphetamin nach Afrika zu schmuggeln, wird die Droge nun direkt vor Ort produziert.
In den letzten Jahren wurden vergleichbare Labore in den Provinzen Limpopo, Tshwane und Mpumalanga ausgehoben. Bei der jüngsten Aktion in Swartruggens fanden die Behörden 481 Kilogramm Meth, Chemikalien und Schusswaffen. Neben den mexikanischen Verdächtigen wurden auch Südafrikaner festgenommen.
Der südafrikanische Drogenmarkt wird von Methamphetamin dominiert, weil andere Substanzen wie Kokain oder Heroin für viele Nutzer zu teuer sind. Kriminalitätsforscher Willem Els betont, dass vor allem lokale Bedingungen den Kartellen die Produktion erleichtern: Korruption bei Polizei und Politik verschafft den Banden Schutz.
Der frühere Interpol-Botschafter Andy Mashiale meint: „Es gibt keine Möglichkeit, dass die Polizei von diesen Laboren nichts weiß. Korruption spielt eine Rolle.“
Südafrikas Elite-Einheit Hawks meldet zwar Fortschritte bei der Zerschlagung der Netzwerke. Auch internationale Behörden wie die US-Drogenbehörde DEA liefern Hinweise zu den Verbindungen etwa zum Sinaloa-Kartell. Doch Experten warnen vor der Widerstandsfähigkeit der Strukturen.
Das Problem sei nicht mehr nur der Grenzschutz, sondern die institutionelle Kapazität und die Korruption im Land. Solange es hier keine Reformen gibt, rechnen Analysten mit weiteren Laboren auf neuen Farmen und dem Nachrücken neuer Chemiker.
Für die in Swartruggens angeklagten Männer steht die unmittelbare Frage nach ihrer Freilassung an. Für Südafrika bleibt das größere Problem: Wie lässt sich ein Drogenhandel bekämpfen, der mittlerweile im Land verwurzelt ist?