Schwarzmarkt boomt

Jede zweite E-Zigarette ist bereits illegal im Land

Allein in Österreich wurden rund 600 Millionen Zigaretten aus illegalen Quellen konsumiert statt aus dem regulären Handel.
Team Wirtschaft
03.06.2026, 18:00
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Während Rauchen in Europa immer stärker reguliert und besteuert wird, wächst im Hintergrund ein milliardenschweres Geschäft: der Schwarzmarkt für Zigaretten.

Neue Zahlen des KPMG-Reports zeigen, dass der Konsum illegaler und unversteuerter Zigaretten erneut deutlich gestiegen ist – auch in Österreich.

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30 Millionen illegale Packungen in Österreich

Allein in Österreich wurden im vergangenen Jahr rund 600 Millionen Zigaretten oder 30 Millionen Packungen irregulärer Zigaretten konsumiert. Europaweit griffen Raucher sogar zu 55,3 Milliarden illegalen oder unversteuerten Zigaretten. Damit stammt mittlerweile jede elfte Zigarette aus dubiosen Quellen statt aus dem regulären Handel.

Noch dramatischer ist die Situation bei E-Zigaretten. Sowohl in Österreich als auch europaweit stammt inzwischen etwa die Hälfte aller Produkte aus irregulären Quellen.

Schmuggeln im Wetterballon

Wie kreativ die Schmuggler mittlerweile vorgehen, zeigt ein Blick nach Litauen: Dort sorgen regelmäßig Wetterballons mit geschmuggelten Zigaretten aus Belarus für Probleme bei Luftfahrt und Sicherheitsbehörden.

Für die Staaten bedeutet das enorme Verluste: In den EU-Ländern entgehen den Finanzbehörden laut Bericht rund 22 Milliarden Euro an Steuereinnahmen. In Österreich sind es rund 128 Millionen Euro – um zwölf Millionen Euro mehr als noch im Vorjahr. Eine Summe, die in etwa dem Jahresbudget des Bundeskriminalamts entspricht.

Steuererhöhung zeigt erste Folgen

In Österreich galt die Tabakpolitik lange als vergleichsweise moderat. Laut den Studienautoren hielt diese Strategie den Schwarzmarkt über Jahre hinweg in Schach. Die Tabaksteuererhöhung im letzten Jahr könnte nun jedoch erste Auswirkungen zeigen.

Marc Attinger ist erst seit April als General Manager verantwortlich für das Österreich-Geschäft von Philip Morris.
Nadine STUDENY

"In Österreich helfen bei der Eindämmung des illegalen Handels sicher auch die heimischen Trafikantinnen und Trafikanten, die ein vertrauensvoller Kontaktpunkt für die Konsumenten sind. Denn der illegale Zigarettenmarkt ist auch ein Nachfrageproblem", so Marc Attinger, General Manager Philip Morris Austria.

Einschränkungen im legalen Handel, wie wir sie in vielen EU-Ländern sehen, würden die Menschen in den illegalen Handel führen. "Dem wirkt ein sicheres, mit Augenmaß reguliertes Umfeld, wie wir es in Österreich haben, entgegen." Noch.

Frankreich bleibt trauriger Spitzenreiter

Besonders dramatisch ist die Lage in Ländern mit hohen Tabaksteuern und strengen Einschränkungen. Spitzenreiter bleibt Frankreich: Dort stammen bereits 41 Prozent aller konsumierten Zigaretten vom Schwarzmarkt.

Dahinter folgen Irland mit 35 Prozent, Großbritannien mit 32 Prozent und die Niederlande mit 22 Prozent. Mehr dazu in der Grafik.

Der französische Schwarzmarkt allein ist inzwischen um mehr als neun Milliarden Zigaretten (!) größer als der gesamte österreichische Zigarettenmarkt. Experten sehen darin auch ein wachsendes Problem für die organisierte Kriminalität, die von den illegalen Geschäften profitiert.

Illegale Produktion mitten in Niederösterreich

Längst kommen die Schmuggelzigaretten nicht mehr ausschließlich aus Drittstaaten. Immer häufiger werden illegale Produkte direkt innerhalb der EU hergestellt. Auch Österreich ist von dieser Entwicklung betroffen. Das zeigte zuletzt ein spektakulärer Fund im niederösterreichischen Industrieviertel. Dort stießen Ermittler auf eine illegale Zigarettenfabrik und stellten rund acht Millionen gefälschte Zigaretten sicher.

Europa gilt mittlerweile nicht nur als größter Absatzmarkt für illegale Zigaretten, sondern zunehmend auch als Produktionsstandort.

"Der illegale Handel und die Produktionsmaschinerie dahinter sind leider längst im europäischen Alltag angekommen. Die Erlöse daraus fließen leider oft ungebremst in die organisierte Kriminalität", erklärt Attinger.

Experten berichten, dass der Einstieg ins illegale Geschäft vergleichsweise einfach geworden ist. Maschinen und Produktionsmittel können im Internet bestellt werden. Bereits mit Investitionen von rund 200.000 Euro lassen sich entsprechende Anlagen aufbauen. Laut Branchenkennern kann sich eine solche Fabrik bereits nach wenigen Wochen rechnen.

Nicht überall steigt der Schwarzmarkt

Dass es mit einer maßvollen Steuerpolitik und evidenzbasierter Regulierung auch anders gehen kann, zeigen beispielsweise Ungarn oder Griechenland. Beide Länder konnten den Anteil illegaler Zigaretten zuletzt deutlich senken.

Der KPMG-Report sieht einen klaren Zusammenhang: Je höher die Steuern und je strenger die Einschränkungen, desto attraktiver wird der Schwarzmarkt. Die Folge: Während legale Zigaretten immer teurer werden, profitieren Schmuggler und Fälscher von der steigenden Nachfrage nach billigen Alternativen.

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