Pensionsreform fix

Mindestpensionistin – "Mir bleiben 200 Euro zum Leben"

Caroline K. ist Mindestpensionistin, pro Monat stehen ihr 1.274 Euro zur Verfügung. Stützstrümpfe, die sie benötigt, kann sie sich kaum leisten.
Christine Ziechert
18.06.2025, 06:00
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Caroline K. (62) steht mit beiden Beinen fest im Leben – auch, wenn ihr gerade diese gesundheitliche Probleme bereiten: "Ich habe starke Krampfadern. Vor zehn Jahren hat mir mein Arzt daher Gesundheitsstrümpfe verordnet. Ich muss sie andauernd tragen – auch bei 35 Grad Hitze. Wenn ich sie weglasse, dann bekomme ich starke Schmerzen", berichtet die Wienerin im Interview mit "Heute".

Das Problem: Die orthopädischen Kompressionsstrümpfe sind teuer: "Ein Paar Strümpfe kostet ca. 85 Euro, davon benötige ich im Sommer mindestens zwei. Den Rest des Jahres trage ich Kompressionsstrumpfhosen, da brauche ich mindestens vier Paar. Die Kasse zahlt aber pro Jahr nur zwei Paar. Den Rest muss ich selbst übernehmen, das ist für mich nur schwer bzw. kaum leistbar", meint Caroline K.

„In einem Lokal zu essen, ist viel zu teuer. Und im Kino war ich schon seit Jahren nicht mehr“
Caroline K.Mindestpensionistin

Die 62-Jährige, die in einer kleinen Einzimmer-Gemeindewohnung in der Donaustadt lebt, bezieht 1.274 Euro Mindestpension (mit Ausgleichszulage): "Wenn ich davon alle Fixkosten wie Miete, Strom, Gas usw. abziehe, bleiben mir im Monat etwa 200 Euro zum Leben", erklärt die 62-Jährige, die vor 22 Jahren aufgrund von Gelenkserkrankungen Invaliditätspension beantragen musste: "Davor habe ich im Großhandel und dann bei einer Tierärztin gearbeitet."

Essen im Restaurant oder ein Kino-Besuch sind für die Pensionistin nicht drin: "In einem Lokal zu essen, ist viel zu teuer. Und im Kino war ich schon seit Jahren nicht mehr." In ihrer Freizeit beschäftigt sich die Alleinstehende daher mit ihren Hobbys: "Ich häkle gerne, zum Beispiel Pullover und Handytaschen, oder bastle Grußkarten für meine Freundinnen. Außerdem habe ich ein Faible für Puppen – ich sammle kleine Porzellan- und Barbiepuppen, die ich günstig kaufe."

Kein Geld für nötige Renovierung

Beim Einkaufen setzt sie zudem auf die beliebten "Pickerl" und Sonderangebote, Kleidung wird oft beim 48er-Tandler erworben: "Ich komme über die Runden", sagt Caroline K. Doch große Sprünge sind nicht möglich: "Ich wohne seit 20 Jahren in einem Gemeindebau aus den 1950er-Jahren. Im vergangenen Jahr war es nötig, dass ich endlich die Dusche und die Küche renovieren lassen – neue Wasch- und Spülbecken, Abflüsse usw. Ich habe dann einen Kostenvoranschlag in der Höhe von 1.900 Euro bekommen", erinnert sich Caroline K.

Für die 62-Jährige Extra-Kosten, die sie nicht stemmen konnte: "Zeitgleich ist auch noch meine Waschmaschine eingegangen. Eine neue Waschmaschine konnte ich noch zahlen, und die Pensionsversicherung hat gemeint, sie übernimmt 920 Euro der Renovierungskosten. Aber es war noch immer ein Tausender offen."

16.500 Personen bei der Caritas-Sozialberatung

Eine bekannte Spenden-Organisation übernahm schließlich den offenen Betrag, zusätzlich wandte sich die Wienerin noch an die Sozialberatung der Caritas: "Ich hab' angerufen und die haben gesagt: 'Kommen'S vorbei.' Ich hab' dann ein Sozialpaket und Gutscheine bekommen, die mir sehr geholfen haben."

Laut Doris Anzengruber, Leiterin der Caritas-Sozialberatung, wurden in Wien im Vorjahr 16.500 Personen unterstützt – 55 Prozent von ihnen waren Frauen: "Sie bitten um Unterstützung, weil die Miete oder die Energiekosten zu hoch und die Lebensmittelpreise zu teuer geworden sind. Diese Frauen können sich selbst grundlegende Dinge nicht mehr leisten", erläutert Anzengruber.

„Vielen Menschen bleiben im Schnitt nur noch 15 Euro pro Tag“
Klaus SchwertnerCaritas-Direktor der Erzdiözese Wien

In der Sozialberatung wird das Haushaltsbudget angesehen und geprüft, ob bereits alle möglichen Unterstützungsleistungen beantragt wurden: "Dabei informieren wir über Ansprüche und unterstützen bei Anträgen. Um die finanzielle Belastung im Alltag zu lindern, helfen wir auch mit Lebensmittelgutscheinen, Sachspenden oder auch direkt mit finanziellen Überbrückungshilfen. Unser Ziel ist es, Menschen nicht nur kurzfristig zu entlasten, sondern nachhaltige Lösungen für den Weg aus der Armut zu finden", so Anzengruber.

Wie Klaus Schwertner, Caritas-Direktor der Erzdiözese Wien, erklärt, bleiben vielen Menschen, die sich an die Sozialberatung wenden, nach Abzug von Wohn- und Energiekosten im Schnitt nur noch 15 Euro pro Tag: "Für Essen, Kleidung, Medikamente, Schulsachen – schlichtweg für alles. Die geplanten Kürzungen bringen Menschen noch mehr unter Druck und werden für viele Menschen unmittelbar und schmerzhaft spürbar sein. Wer hier noch weiter spart, gefährdet Existenzen", so Schwertner.

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