Habt Acht! Das neue Jahr bringt "ein großes Mehr" beim Heer. Aus dem empfohlenen "8+2 Modell" der Experten wurde es zwar nichts, aber der sechsmonatige Grundwehrdienst wird nun um verpflichtende Milizübungen verlängert – quasi ein "Modell 6+2+1".
Zum "Heute"-Studio-Talk trat Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (NÖ) mit heller Weste auf dunkler Bluse an – und trug vor, was die Reform schwarz auf weiß für künftige Soldaten bedeutet: "Wir haben jetzt erstmalig jetzt eine längere Ausbildung ermöglichen können – in Wahrheit geht es von sechs auf neun Monate", gibt Tanner zu.
Ziel sei es, "acht Monate durchgehend auszubilden", mit sechs Monaten Basisausbildung und dann anschließender Ausbildungen in der Truppe. Als Zuckerl der "Zuckerlkoalition" gibt es mehr Geld (1.000 Euro) und erstmals einen Urlaubsanspruch für Grundwehrdiener. Dass Rekruten künftig dem Marsch oder der Feldwoche fernbleiben, glaubt sie nicht. Vielmehr könnte einfach zwischen Grundwehrdienst und Miliz eine Woche kollektiv freigegeben werden. "Wir werden überlegen, was Sinn macht und was nicht."
Den am Wochenende bis spätnachts in der Salzburger Schwarzenbergkaserne beschlossenen Kompromiss bei der Regierungsklausur, zu dem zuletzt auch ernste Worte des Bundespräsidenten beigetragen haben dürften, verteidigt die Verteidigungsministerin als "Konsens im Sinne der Landesverteidigung".
Die Reform verspricht auch weniger Stehzeiten in der Ausbildung. Ob der Soldat der Zukunft im Sitzen antreten wird? "Nein, mit Sicherheit nicht. Wenn Sie einen kennen, dem fad ist, soll er sich melden", kontert die Ministerin. Der Wehrdienst soll "hochwertig, sinnvoll und zeitgemäß" ausfallen, heißt es im Text – da wird sich das Heer wohl an vielen Stellen umstellen müssen.
Ob Rekruten bald mit der Drohnenfernbedienung in der Hand herumlaufen oder weiter fleißig im Gleichschritt marschieren und die Spindordnung einhalten? "Sowohl als auch, würde ich sagen." Die stark anwachsende Anzahl an Milizsoldaten stellt das Heer laut Tanner nicht vor unlösbare Aufgaben. Die Reform, die nur mit Stimmen der Grünen beschlossen werden kann, sei mehr ein Marathon und kein Sprint.
"Hoffentlich entscheiden sich so viele wie möglich für das Bundesheer – auch in der verlängerten Form. Denn wir brauchen dringend jeden und jede", so Tanner – auch wenn Frauen weiter von der Wehrpflicht ausgenommen bleiben. Übrigens: eine erste Frau als Generalstabschefin wird es auch im September nicht geben, wenn sich General Rudolf Striedinger in die Pension verabschiedet. Unter den Kandidaten befindet sich keine.