Bereits mit 16 Jahren geriet Bianca P. (heute 32) in finanzielle Schwierigkeiten. Konsumschulden häuften sich an, später scheiterte auch der Versuch, sich mit einem kleinen Nagelstudio selbstständig zu machen.
Dazu kamen zahlreiche Verträge, die sie für ihre Mutter unterschrieben hatte – von Handyverträgen über Versicherungen bis hin zu Fitnesscenter-Verträgen. Ihre Mutter kämpfte lange mit Alkoholproblemen und konnte sich kaum um ihre Tochter kümmern.
Die belastende Kindheit und Jugend hinterließen Spuren. Psychische und körperliche Probleme machten es Bianca lange Zeit unmöglich, regelmäßig zu arbeiten. Über die Jahre sammelten sich rund 30.000 Euro Schulden an. Seit 2021 wird die heute 32-Jährige von der Schuldenberatung des Fonds Soziales Wien (FSW) begleitet.
Schritt für Schritt gelang es ihr, wieder Stabilität in ihr Leben zu bringen. Immer wieder arbeitete sie als Freizeitpädagogin. Ihr großer Traum ist es, eine Ausbildung zur Sozialpädagogin abzuschließen. Gemeinsam mit den FSW-Schuldenberater gelang schließlich die Eröffnung eines Abschöpfungsverfahrens im Rahmen eines Privatkonkurses.
Heute blickt die 32-Jährige vorsichtig nach vorne. Derzeit bewirbt sie sich um neue Jobs im pädagogischen Bereich. Bianca ist kein Einzelfall. Laut FSW Schuldenberatung steigt die Zahl der Hilfesuchenden deutlich an.
"Wir sehen österreichweit eine steigende Nachfrage nach Erstberatungen in den staatlich anerkannten Schuldenberatungen. Alleine in Wien haben wir im April ein Hoch mit 737 Neuanmeldungen bei der FSW Schuldenberatung erlebt, das ist eine Steigerung von 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das heißt, wir gehen davon aus, dass auch in den kommenden Monaten und Jahren die Unterstützung der Schuldenberatungen stark nachgefragt sein wird", meint Gudrun Steinmann, Expertin der FSW Schuldenberatung.
Besonders junge Menschen würden zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten geraten. "Gerade bei jungen Menschen sehen wir, die Versuchungen werden immer einfacher gemacht. Ich muss nicht mal mehr in eine Bank gehen, um einen Kredit für Konsumgüter abzuschließen, sondern kann mit wenigen Klicks alles online machen."
Vor allem Online-Bezahldienste bereiten den Expert Sorgen: "In jedem Workshop des FSW-Finanzführerscheins gibt es Jugendliche die mit diversen Bezahldienstleistern bereits negative Erfahrungen gemacht haben und darüber berichten. Die Verlockung "kaufe jetzt, zahle später" wird u.a. durch Influencer verstärkt. Jugendliche sind sich des Risikos was passiert, wenn ich nicht pünktlich bezahle bzw. welche Risiken diese Ratenzahlungen haben, meist nicht bewusst", so Steinmann.
Auch Jahre später würden solche Schulden oft noch nachwirken: "In die Schuldenberatung kommen Menschen meist erst, wenn es für die Regelung der Schulden keine andere Lösung mehr als einen Privatkonkurs gibt, das heißt oft erst mehrere Jahre zeitverzögert. Auch hier sehen wir Online-Bestellungen und Schulden bei Klarna immer wieder auf der Gläubigerliste."
Wer überschuldet ist, kann über einen Privatkonkurs wieder schuldenfrei werden. Einfach sei dieser Weg aber nicht. "Ein Privatkonkurs dauert drei bis sieben Jahre. Das bedeutet auch harte Jahre für die Betroffenen, man macht einen Privatkonkurs nicht im Vorbeigehen. Man muss motiviert sein und die Schulden aktiv regeln wollen. Ein Privatkonkurs ist aber auch ein klarer Weg aus den Schulden und in ein schuldenfreies Leben", betont die FSW-Expertin.