Jeden Tag um 6.30 Uhr beginnt für Stefan der Kampf. Der Wiener aus Margareten zieht sich an, fährt in ein McCafe und schreibt Bewerbungen. Seit fünf Jahren sucht der bald 60-Jährige nach einem Job.
"Ich investiere fast 30 Stunden pro Woche in Bewerbungen und versende etwa 30 pro Woche. Das AMS verlangt nur zwei", erzählt er. Stefans Mailordner umfasst mittlerweile rund 5.000 Nachrichten – Bewerbungen, Rückmeldungen, Absagen. Alles hat er gespeichert.
Trotz der vielen Enttäuschungen hält Stefan an seiner Routine fest. "Ins Café gehe ich, um Struktur zu haben, unter Menschen zu sein, nicht noch mehr in ein Loch zu fallen", sagt er zu "Heute".
Früher war der Wiener in Büros tätig, arbeitete als Key Account Manager und Sachbearbeiter. Heute sucht er sogar im Ausland nach einer Beschäftigung.
Regelmäßig fährt Stefan nach Bratislava, Budapest, Prag oder nach Deutschland. Er reist wie ein Top-Manager auf Geschäfts-Trip, doch Stefan sucht Job. "Da gehe ich morgens aus dem Hotel und verteile bis zum Abend meinen Lebenslauf."
Besonders oft war er in Budapest und Prag. Erst vor zwei Wochen suchte er in Hamburg nach Möglichkeiten. Am Tag nach unserem Gespräch fährt er nach Warschau. Dort hat er sich bei mehreren Sprachinstituten und auch beim Österreichischen Kulturinstitut beworben.
Schon bald steht die nächste Reise nach Prag an. Eine Firma hatte ihm empfohlen, an einem Montag persönlich vorbeizukommen, wenn der zuständige Ansprechpartner im Haus ist. Für diese Reise – wie für alle anderen auch – meldet sich Stefan vom AMS-Bezug ab.
"Ich melde das alles ordnungsgemäß dem AMS, füge sogar Tickets an. Denn ich will nirgendwo anecken oder gar Probleme kriegen." Jeder Tag der Abmeldung kostet ihn Geld. Von seiner ohnehin niedrigen Notstandshilfe von rund 30 Euro täglich wird ihm für diese Zeit jeweils ein Tagessatz gestrichen.
Auch im Alltag muss Stefan sparen. Für die Öffis bekommt er keine Ermäßigung. "Ich gehe deshalb viel zu Fuß, weil 6 Euro für Hin- und Rückfahrt schon das Abendessen sind."
Trotz aller Rückschläge gibt er nicht auf. Selbst Jobs als Security-Mitarbeiter am Flughafen könnte er sich vorstellen. Doch auch dort erhielt er bereits Absagen.
Dabei wäre Stefan sofort einsatzbereit. "Wenn mich jemand einstellen würde, könnte ich gleich am kommenden Montag anfangen."