Magdalena W. (Name geändert) arbeitete viele Jahre im Büro des Unternehmens ihres Ehemannes als Bürokauffrau mit. Die Firma war auf ihren Namen angemeldet – das hatte letztendlich weitreichende Folgen für sie.
Denn das Unternehmen wurde schließlich insolvent, die dreifache Mutter haftete plötzlich privat für hohe Schulden im sechsstelligen Bereich. Während des Konkursverfahrens kam es auch zur Scheidung. Kurz darauf erlitt die heute 46-Jährige auch noch einen Bandscheibenvorfall.
Die Wienerin wandte sich daher an die FSW Schuldenberatung, ein Abschöpfungsverfahren wurde eröffnet. Statt einem sechsstelligen Betrag einigte sich Magdalena W. mit den Gläubigern letztendlich auf eine Summe von etwa 40.000 Euro. Ihr Privatkonkurs läuft noch bis Frühjahr 2028.
Trotz der schwierigen Situation gab die 46-Jährige nicht auf. Sie schaffte den beruflichen Neustart und arbeitet heute als Kindergartenassistentin. Die kommenden Jahre bleiben für sie finanziell herausfordernd, doch die Dreifach-Mama hat wieder Hoffnung.
Magdalena W. ist kein Einzelfall. Beim Fonds Soziales Wien (FSW) herrscht in der Schuldenberatung derzeit ein großer Andrang: "Alleine in Wien haben wir im April ein Hoch mit 737 Neuanmeldungen erlebt, das ist eine Steigerung von 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr", erklärt Gudrun Steinmann, Expertin in der Schuldenberatung beim FSW.
Steinmann geht daher davon aus, dass auch in den kommenden Monaten und Jahren die Unterstützung der Schuldenberatungen stark nachgefragt sein wird. Im vergangenen Jahr betreute die FSW Schuldenberatung insgesamt 11.887 Klienten – 4.831 Frauen (41 Prozent) und 7.021 Männer (59 Prozent). Von den knapp 12.000 Klienten waren 41,3 Prozent arbeitslos.
Die Durchschnittsverschuldung beträgt je nach Altersklasse zwischen 44.088 Euro (20 bis 29 Jahre) und 76.798 Euro (ab 60 Jahren). Am meisten sind Frauen und Männer zwischen 30 und 49 Jahren betroffen. Als Hauptursachen für die Verschuldung wurden Arbeitslosigkeit, Selbstständigkeit, Scheidung/Trennung, das Konsumverhalten sowie Krankheit/Unfall genannt.
"Ein Privatkonkurs dauert drei bis sieben Jahre. Zunächst muss festgellt werden, ob eine Person ver- oder überschuldet ist. Überschuldet heißt, dass ich meinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Dieser Übergang passiert oft fließend. Und es kommt bei fälligen Zahlungen zu Zinseszinseffekten, die meine Schuldensumme stark erhöhen", erklärt Steinmann und verweist auf die kostenlosen Angebote der staatlich anerkannten Schuldenberatungen.
"Das eine ist das Angebot der Budgetberatung, das, wo wir gemeinsam einfach die Einnahmen und Ausgaben anschauen und Potenziale aufzeigen. Zweiter Punkt ist die klassische Schuldenberatung, wo wir eine Gläubiger-Liste erstellen, und dann konkrete Rückzahlungsmöglichkeiten besprechen. Schuldenregulierung bedeutet immer, es braucht Stabilität, dass wir weiterarbeiten können", so Steinmann abschließend.