Auch Sohn am Start

Mit 46 bei Olympia: "Muss mir alles hart erarbeiten"

Von Lienz bis Cortina: Wie Sarah Schleper mit 46 Jahren und an der Seite ihres Sohnes Olympia-Geschichte schreibt.
Georg Steinschnack
16.02.2026, 07:00
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Olympia lebt von großen Bildern: Dabei spielt es keine Rolle, ob sie von Gold erzählen wie bei Janine Flock oder von Stürzen wie jenem von Lindsey Vonn. Mindestens ebenso eindrücklich sind jedoch die leiseren Geschichten – wie etwa jene der chilenischen Ski-Exotin Matilde Schwencke - "Heute" berichtete - oder die von Sarah Schleper. Die gebürtige US-Amerikanerin startet inzwischen für Mexiko – und steht mit 46 Jahren noch immer am Start eines olympischen Skirennens. Wer sie in diesen Tagen im Zielraum erlebt, sieht keine Randfigur, sondern eine Athletin, die das Publikum für sich gewinnt. Bei ihren Rennen brandet Jubel auf, Medienvertreter scharen sich um sie – nicht wegen ihrer Platzierungen, sondern wegen der Geschichten, die dahinterstecken.

Wechsel zu Mexiko

Ihr Stern geht 1997 auf. Damals gewinnt sie – noch für die USA startend – Silber bei der Junioren-WM in Schladming. In den folgenden Jahren etabliert sich die Frau aus Vail, Colorado, im Weltcup und feiert im März 2005 beim Finale in Lenzerheide ihren einzigen Weltcupsieg. Vielen Fans bleibt jedoch vor allem ihr vermeintliches Karriereende 2011 in Lienz in Erinnerung. Statt im Rennanzug erscheint Schleper in einem Minikleid, darunter trägt sie einen Bikini. Auf halber Strecke stoppt sie, hebt ihren damals dreijährigen Sohn Lasse auf die Arme und fährt mit ihm ins Ziel. Kolleginnen wie Lindsey Vonn jubeln ihr zu. "Es war nicht geplant, es ist einfach passiert", sagt Schleper später lachend.

Von 2011 bis 2013 legt sie eine Pause ein. Dann kehrt die Lust am Skifahren zurück. Das Comeback gestaltet sich jedoch mühsam. Für eine Qualifikation im starken US-Team reicht es nicht mehr. Die Lösung ist ebenso naheliegend wie ungewöhnlich: Seit Mai 2014 startet Schleper für Mexiko, das Heimatland ihres Mannes Federico Gaxiola. So steht sie 2018 in Pyeongchang, 2022 in Peking und nun auch in Mailand/Cortina für das Land aus Mittelamerika am Start.

Dass sie in diesem Alter – als älteste Alpin-Skifahrerin in der Geschichte der Olympischen Spiele – noch antreten darf, ist kein Zufall. Den Startplatz erkämpft sie sich über FIS-Rennen und Bewerbe in Südamerika: "Mir wird nichts geschenkt, ich muss mir alles selbst hart erarbeiten." Schleper ist dabei ihr eigener Chef: "Von der Bindung bis zur Präparation der Skier mache ich alles selbst." Ausgerechnet das wird ihr im Riesentorlauf zum Verhängnis: Nach dem ersten Durchgang wird sie wegen eines Materialfehlers disqualifiziert.

Besondere Spiele

Die Disqualifikation schmälert jedoch weder ihre Leistung noch die Lebensgeschichte von Sarah Schleper. Denn diese Spiele sind aus zweierlei Gründen besonders für sie. Zum einen trägt sie bei der Eröffnungsfeier die Flagge Mexikos. "Es ist überwältigend", sagt sie im Anschluss sichtlich bewegt.

Zum anderen ist sie dafür verantwortlich, dass erstmals bei Olympischen Winterspielen Mutter und Sohn gleichzeitig an den Start gehen. Lasse – genau jener Lasse, den sie 2011 in Lienz auf dem Arm ins Ziel gefahren hat – fährt inzwischen als 18-Jähriger für Mexiko im Riesentorlauf und Slalom. "Es ist sehr aufregend, und es ist unser Leben. Wir dachten seit vielen Jahren, dass es passieren könnte. Jetzt zu sehen, dass es tatsächlich passiert ist, ist schwer zu begreifen.", sagt Schleper stolz. So richtig begreifen werde sie es aber wohl erst nach Olympia. "Dann werden wir denken: Wow, wir haben es geschafft."

Unabhängig von den Rennresultaten der beiden steht fest: Sie haben Geschichte geschrieben. Eine, wie nur Olympia sie erzählen kann.

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