Mit über 60 Jahren noch einmal beruflich durchstarten? Für viele ältere Arbeitslose ist das eine große Herausforderung. Hossein N. hat es geschafft: Nach langer Jobsuche und einem Jahr beim AMS hat der gebürtige Iraner wieder eine fixe Anstellung gefunden. Heute beliefert er als Fahrer Apotheken in Wien. Möglich wurde sein Neustart durch die Unterstützung der Volkshilfe Wien.
Seit 1989 lebt Hossein in Österreich. In den vergangenen Jahren war er in unterschiedlichen Branchen tätig, unter anderem im Handel. Doch zuletzt gestaltete sich die Jobsuche schwierig. Rund ein Jahr war er beim AMS gemeldet, bevor er über die Volkshilfe Wien TAV Betriebe eine neue berufliche Perspektive erhielt.
Der Weg zurück ins Berufsleben erfolgte in mehreren Schritten. "Er war ein halbes Jahr in einem Training, hat dann einen befristeten Dienstvertrag bei der Volkshilfe bekommen", erzählt seine Betreuerin Barbara Dressel. Zunächst war Hossein in der Parkreinigung und Parkpflege tätig.
Dann ergab sich eine neue Chance: Beim Pharmaunternehmen Kwizda wurde ein Fahrer gesucht. "Wir haben uns gedacht, das wäre doch was für ihn", erzählt Dressel. Sie empfahl Hossein für die Stelle. Nach einem erfolgreichen Praktikum konnte er überzeugen und erhielt einen Dienstvertrag.
Seit rund vier Monaten ist er bereits im Unternehmen tätig, seit Anfang Oktober hat er eine fixe Anstellung bei der Kwizda Pharmahandel GmbH. "Ich freue mich sehr, der Job ist toll", sagt Hossein. Als Fahrer beliefert er nun Apotheken und kann finanziell wieder auf eigenen Beinen stehen. Dass der Wiedereinstieg nicht immer gelingt, weiß auch Dressel. "Wir sind nicht immer erfolgreich, aber sehr oft", sagt sie. Entscheidend seien vor allem der Wille und die Motivation der Arbeitssuchenden.
Hossein ist kein Einzelfall. Wie Menschen nach längerer Arbeitslosigkeit wieder im Berufsleben Fuß fassen können, stand am Dienstag bei der Jobmesse "PERSPEKTIVE 2026" im MAK – Museum für angewandte Kunst in Wien im Mittelpunkt. Unter dem Motto "Expedition Arbeitsmarkt" zeigten soziale Unternehmen, wie sie Arbeitssuchende beim Wiedereinstieg unterstützen und gleichzeitig Betrieben bei der Suche nach Arbeitskräften helfen.
Wie schwierig die Lage insbesondere für ältere Menschen ist, zeigen aktuelle Zahlen des AMS: Von den 155.968 Arbeitssuchenden in Wien sind 36.551 über 50 Jahre alt. Österreichweit sind 103.237 Menschen dieser Altersgruppe auf Jobsuche – um 5,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch die Langzeitbeschäftigungslosigkeit bleibt ein Problem: In Wien sind 26.482 Personen seit mehr als einem Jahr weder in Beschäftigung noch in Schulung. Die Zahlen beziehen sich auf September 2026.
Arbeits- und Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) kennt die Schwierigkeiten älterer Arbeitssuchender. "Wir wissen, wie schwierig es für Menschen ab 55 Lebensjahren ist, wieder einen Job zu finden", betont sie.
Mit der "Aktion 55plus" will die Bundesregierung deshalb 5.000 kollektivvertraglich entlohnte Arbeitsplätze schaffen, um Betroffenen den Wiedereinstieg zu erleichtern. "Arbeit zu haben, bedeutet nicht nur Geld dafür zu bekommen, sondern Teilhabe und Unabhängigkeit. Aus Gesprächen mit Betroffenen weiß ich, wie wichtig das ist", so Schumann.
Auch AMS-Wien-Geschäftsführer Winfried Göschl sieht Handlungsbedarf. Gemeinsam mit den sozialen Betrieben sei es gelungen, den Anteil der Langzeitbeschäftigungslosigkeit an der Gesamtarbeitslosigkeit zu senken. Künftig wolle man den Fokus verstärkt auf ältere Arbeitslose legen, insbesondere auf Frauen über 50. Deren Anteil steige, weil sie aufgrund des höheren Pensionsantrittsalters länger im Erwerbsleben bleiben.
Neben der Vermittlung von Arbeitsplätzen spielen auch Aus- und Weiterbildungen eine wichtige Rolle. Besonders in Zukunftsbranchen wie der Pflege oder bei sogenannten Green Jobs werden Arbeitskräfte benötigt.
"Wir können und wollen es uns nicht leisten, wertvolle Potenziale und Fähigkeiten liegen zu lassen", betont Marko Miloradović, Geschäftsführer des Wiener Arbeitnehmer*innen Förderungsfonds (waff). Mit Angeboten wie der Joboffensive 50plus, Jobs PLUS Ausbildung und der Joboffensive für Jugendliche sollen Arbeitssuchende gezielt unterstützt werden.