Weißes Haar, Halbglatze und Hörgeräte: In Steyr steht heute ein Mann vor Gericht, dem man die ihm vorgeworfenen Taten auf den ersten Blick ganz sicher nicht zutrauen würde. Der 78-Jährige soll vergangenen Herbst erst seine Ehefrau (70), danach den gemeinsamen Sohn (41) brutal erstochen haben – "Heute" berichtete ausführlich.
In den Morgenstunden des 27. Oktober soll laut Staatsanwalt das passiert sein: Nach einem Streit mit seiner Frau zog sich der Angeklagte zurück – dann sei der tödliche Entschluss gefallen. In seiner Aussage sagte er: "Sie muss weg, ich muss sie umbringen." Dabei habe sich seine Gattin nach seinem Herzinfarkt im Jahr davor nur Sorgen gemacht und ihm zu einer Kur geraten.
Der 78-Jährige soll die Frau dann erst mit einer Bratpfanne niedergeschlagen – "gleich einem Aufschlag beim Tennis", wie er selbst in seiner Aussage erklärt haben soll. Dann am Boden gewürgt haben. Schließlich habe er laut Staatsanwalt "das längste Messer", die Klinge war zwischen 20 und 25 Zentimeter lang, aus der Küche geholt und mehrfach auf seine Ehefrau eingestochen. Auch den beeinträchtigten Sohn habe er danach mit demselben Prozedere getötet, weil dieser sonst unversorgt gewesen wäre.
Der Verteidiger betonte am Mittwoch, sein Mandant sei zuvor noch nie gewalttätig gegen seine Frau oder die insgesamt drei gemeinsamen Söhne geworden. Über 50 Jahre lang war der Angeklagte verheiratet gewesen. Zugleich verwies der Verteidiger auf die massive Belastung des 78-Jährigen – Herzinfarkt, Demenz, Depressionen.
Dann sprach der Angeklagte selbst – und im Saal wurde es beklemmend still. Mit fast erschreckender Ruhe bekannte er sich schuldig. Seine Frau habe im Streit mit der Scheidung gedroht, da seien bei ihm "die Sicherungen durchgebrannt".
Laut eigener Aussage ging er mit der Pfanne in der linken Hand, dem Messer in der rechten, in das Zimmer seines Sohnes. Der lag noch im Bett und sagte bloß: "Guten Morgen, Papa." Der Angeklagte erwiderte den Gruß noch – und soll dann so brutal zugeschlagen haben, dass sogar die Teflonpfanne kaputtging.
Der Richter zeigte die zerstörte Pfanne auch den Geschworenen. Für Gänsehaut sorgten danach auch die Fotos vom Tatort. Beim Anblick der beiden blutüberströmten Opfer breitete sich im Saal direkt wieder schockierte Stille aus.
Nach dem Angeklagten sagen auch noch ein Gerichtsmediziner und eine Psychiaterin aus. Um einiges schneller als gedacht kam am Mittwoch gegen Mittag dann auch das schon rechtskräftige Urteil: Der 78-Jährige wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.